Am Ende könnte es für Dominik Wlazny landesweit Platz drei und in Wien sogar Platz zwei werden, noch vor der FPÖ. Und das, obwohl die finanziellen Mittel der Freiheitlichen ungleich höher waren und sich die Blauen inhaltlich zudem mit Außenseitern matchten. Wlaznys politische Verortung liegt dagegen recht nahe bei Alexander Van der Bellen, dem Bundespräsidenten und Wahlsieger. Das ist ein ungleich stärkerer Kontrahent.

Dem Musiker und Unternehmer - er vertreibt als Chef der Bierpartei auch eine Biersorte - gelang es aber dennoch, Proteststimmen einzusammeln. Und zwar, und das ist wohl durchaus überraschend, nicht nur aus dem linken Lager. In seinem Heimatbezirk Simmering schnitt der Bezirksrat am besten ab, doch auch in Donaustadt und Floridsdorf erreichte Wlazny überdurchschnittlich gute Ergebnisse. In Ottakring ließ er FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz klar hinter sich.

Jugend allein reicht nicht

Naheliegend ist: Es handelt sich dabei um Bezirke mit junger Bevölkerung, in denen der jüngste aller Kandidaten reüssieren konnte. Aber so einfach ist die Rechnung nicht. Sebastian Kurz war 2017 sogar erst 31 Jahre alt, dennoch schnitt er mit der ÖVP bei jungen Wählern unterdurchschnittlich gut ab. Jugend allein macht noch keinen Kandidaten, der auch für Jugendliche attraktiv ist. "Das ist eine Illusion", sagt Günther Ogris, Sozialforscher bei Sora. "Man muss nicht Teil der Zielgruppe sein, aber signalisieren, dass man eine gewisse Nähe hat." Das ist Wlazny gelungen. Er kam bei unter 30-Jährigen auf 20 Prozent. Ogris sah eine "Symbolik des Arbeiterprotests", aber ohne "offenen Klassenkampf". Das Rebellische ist vor allem sein Stil.

Vor sechs Jahren war noch Van der Bellen, der diesmal besonders von Älteren gewählt wurde, der Kandidat der Jugend. Er hatte sich im Wahlkampf mehr als die Konkurrenten dem Klima-Thema verschrieben, kein anderer Bewerber hatte bei Jung-Wählern dann so gut abgeschnitten wie der ehemalige Uni-Professor. Ogris erinnert daran, dass einst auch Heinz Fischer als "HiFi" bei der Jugend gut ankam.

Politikberater Thomas Hofer sieht in Wlazny zu "einem gewissen Teil eine Projektionsfläche", wie er dem ORF-Radio sagte. "Das hat schon Potenzial für SPÖ und Grünen". Die Frage ist, was Wlazny künftig vorhat.

Beliebt bei Neos

Schließlich hatte er unter seinem Alter Ego Marco Pogo die Bierpartei als Satireprojekt gegründet, sich nach dem erfolgreichen Einzug ins Simmeringer Bezirksparlament 2020 aber schrittweise neu positioniert. Seine Kandidatur war ihm zwar ernst, aber von Haus aus ohne Erfolgschancen im Sinn einer Mehrheit. Bei einer Nationalratswahl reichen aber bereits fünf Prozent für ein Mandat. Aber will er das? Und ginge es noch mit dieser Leichtigkeit, die er vor allem auf Social Media offenbarte? Bei dem einen oder anderen Liveauftritt im Fernsehen wirkte es, als würde Wlazny mit seiner neuen ersten Rolle doch bisweilen etwas fremdeln.

Hofer glaubt, dass Wlazny sowohl Grünen als auch SPÖ wehtun könnte. Die Sora-Daten deuten auch auf Potenzial bei den Neos hin. Von den Pinken kamen in absoluten Zahlen sogar die allermeisten Stimmen. Allerdings hatten Neos und SPÖ keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. Dafür die FPÖ. Und von den Blauen erhielt Wlazny sogar mehr Stimmen als von der SPÖ.