Kaunertal. Wahlkampf also, wieder. Der offizielle Wahlkampfauftakt von Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen ist zwar erst Anfang September. Am Mittwoch stimmte er allerdings schon ein paar Journalisten bei einer Wanderung in seinem Heimatort, dem Tiroler Kaunertal, auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl am 2. Oktober ein.

"Ich wollte Ihnen einfach etwas Schönes zeigen", sagt er. Und schön ist es, das im Südwesten Tirols gelegene Kaunertal. Almidylle, beschauliche Wanderwege, das Läuten der Kuhglocken. Es ist Van der Bellens dritter Wahlkampf in diesem Jahr, er stellt sich zum zweiten Mal einer Stichwahl und er ist sich sicher, diese auch ein zweites Mal für sich entscheiden zu können. "Wir haben es das erste Mal geschafft und werden es wieder schaffen", sagt er auf gut 2500 Meter Höhe mit Blick auf den Gepatschgletscher.

Aus der Stichwahl am 22. Mai war Van der Bellen haarscharf mit 50,3 Prozent der Wählerstimmen als Sieger vor dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer hervorgegangen. Nach der Wahlanfechtung durch die FPÖ und der Aufhebung durch das Verfassungsgericht sind die Karten neu gemischt. Nicht unbedingt zur Freude von Van der Bellen. "Ich bin vermutlich einer der wenigen, die sich zur Wahlaufhebung äußern sollten. Der Verfassungsgerichtshof hat das entschieden und das ist jetzt einmal so", sagt er.

Das Umfeld wird für Van der Bellen nicht einfacher. Die politischen Unruhen in der Türkei, Terroranschläge in Europa, die auch schon Deutschland erreicht haben - das alles spielt eher seinem Kontrahenten Hofer in die Hände. Dennoch setzt Van der Bellen auch diesmal wieder auf das Verbindende und auf ein gemeinsames Europa. Er ist für offene Grenzen und eine gemeinsame europäische Lösung der drängenden Fragen. Er wird sich auch wieder als unabhängiger Kandidat positionieren, erklärt sein Wahlkampfleiter Lothar Lockl. Ob es diesmal Wahlempfehlungen von anderen Parteien geben wird, ist noch offen. Bei der ersten Stichwahl bekam der ehemalige Grünen-Chef keine offizielle.

Einen harten Ton schlägt er in Richtung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an: "Die EU darf vor Erdogan nicht in die Knie gehen." Ob er Erdogan jetzt in der Wiener Hofburg empfangen würde oder ihn besuchen würde, wäre er Präsident? "Jetzt eher ungern." Im Streit um die Visa-Freiheit zeigt sich Van der Bellen dennoch um Beruhigung bemüht. "Ich verstehe die Panik nicht. Visafreiheit bedeutet nicht automatisch Niederlassungsfreiheit und Arbeitsbewilligung."

Bei der Flüchtlingsfrage räumt er ein, dass es eine "physikalische Grenze" was den Zuzug betrifft gebe, etwa bei der Unterbringung. Mit Hysterie dürfe man dennoch nicht an die Sache herangehen.

Van der Bellens Familie floh selbst im Zweiten Weltkrieg aus Estland nach Österreich. Seine ersten Jahre hier verbrachte er in einem Zollhaus im Kaunertal bevor die Familie nach Innsbruck übersiedelte, wo er das Gymnasium besuchte. "Sie sehen also, Integration kann funktionieren", scherzt er.

Wie gut die Wiederwahl funktioniert, hängt nun davon ab, wie gut er seine Wähler und seine freiwilligen Helfer wieder mobilisieren kann. Zumindest Zweiteres funktioniere ganz gut, erklärt Oliver Korschil, Mitglied des Presseteams. Innerhalb einer Woche hätten sich wieder rund 3000 freiwillige Wahlkampfhelfer gemeldet. Zumindest im 630 Einwohner zählenden Kaunertal dürfte die Wahl schon entschieden sein. Hier bekam Van der Bellen bei der Stichwahl 85 Prozent. Nicht ganz so einfach dürfte es in anderen ländlichen Regionen werden. Denn während Van der Bellen in den größeren Städten überzeugen konnte, war die Österreich-Karte nach der Stichwahl in den ländlichen Regionen blau eingefärbt. "Das macht er schon. Und dann kommen noch mehr Leute ins Kaunertal", sagt Peter Moritz, Bürgermeister von Kaunerberg.