Wien. Mit 83 will es Richard Lugner noch einmal wissen. Nach 1998 versucht sich Österreichs bekannter Baumeister ein zweites Mal als Präsidentschaftskandidat. 9,91 Prozent stimmten damals für einen Bundespräsidenten Lugner. Als erste Hürde muss er nun 6.000 Unterschriften sammeln. Der Baumeister gilt als eine der schrillsten Persönlichkeiten des Landes, was er vor allem seiner Inszenierung als Society-Löwe verdankt.

Der Aufstieg des gebürtigen Wieners als Unternehmer begann in den 1960er-Jahren, als er sich mit einer damals noch kleinen Firma auf die Renovierung von Alt-Bauten spezialisierte. Seinen Durchbruch markierte die Errichtung von Wiens größter Moschee sowie die Arbeit am Stadttempel der jüdischen Kultusgemeinde.

Sie nennen ihn "Mörtel" 

Sein eigenes Denkmal setzte sich der rasch mit dem Spitznamen "Mörtel" versehene Baumeister mit der Lugner-City in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. Von seinem Einkaufszentrum aus dirigiert Lugner mittlerweile seit Jahrzehnten sein öffentliches Leben, sei es seinen Kampf für die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten, Wahlkampf-Auftritte aller Parteien und auch seine vielfältigen Society-Aktivitäten.

Was geschäftlich für Lugner seine City, ist society-technisch für ihn der Opernball. Mittlerweile seit Jahrzehnten lädt der Baumeister Stars und Sternchen aus aller Welt in seine Loge, stets begleitet von jeder Menge medialem Getöse. Die Gästeschar war dabei durchaus bunt, von echten Weltstars wie Harry Belafonte, Sophia Loren oder Andie MacDowell bis hin zur Hotel-Erbin Paris Hilton und der Berlusconi-Geliebten Ruby Rubacuori.

Männer an Lugners Seite sind auch auf Society-Events eher die Ausnahme. Seine Schwäche für Frauen ist ebenso bekannt wie jene für Austern mit Ketchup. Lugner lebt derzeit in fünfter Ehe mit einer 26-jährigen Deutschen namens Cathy zusammen, einem ehemaligen Playboy-Model. Spezielle Eigenart des vierfachen Vaters ist, dass seine Gefährtinnen mit tierischen Spitznamen geschmückt werden - von Mausi über Kolibri bis (aktuell) Spatzi reichte der Erfindungsschatz Lugners.

Im Fernsehen

Wenn der Baumeister etwas liebt, ist es die Öffentlichkeit. Lugner ist kein Star, der sich rar macht. Ganz im Gegenteil gab er sich für Doku-Soaps auf ATV (und später RTL2) her und scheute sich dabei auch nicht, seinem aufbrausenden Temperament geschuldete Streitigkeiten vor allem mit Ex-Frau Christina oder der derzeitigen Gemahlin Cathy vor dem staunenden Fernseh-Publikum auszubreiten.

Auch wenn sein skurril anmutendes Bewerbungsvideo für die Hofburg anderes vermuten ließe, will Lugner in den kommenden Wochen wieder eine ernstere Partie geben, die des als Unternehmer gestählten Politikers. Ob es diese Macher-Qualitäten waren oder doch mehr humoristische Protestwahl, dass Lugner im Jahr 1998 bei der Wiederwahl Thomas Klestils fast zehn Prozent bekam, ist schwer zu beurteilen. Ein Jahr später, als er sich mit Ehefrau Christina und der neuen Partei "Die Unabhängigen" in die Nationalratswahl wagte, war der "Lugner-Effekt" jedenfalls wieder verpufft. DU musste sich mit einem Prozent der Stimmen zufrieden geben.

"Auch der Kasperl zu sein ist eine Form von Erfolg." 

Der Macht angenähert hat sich Lugner seither nur in der ORF-Comedy "Wir sind Kaiser", wo er eine Art Hofnarr spielt, eine Rolle, mit der Lugner kein Problem hat. Denn wie er selbst vor einigen Jahren sagte: "Auch der Kasperl zu sein ist eine Form von Erfolg."