Wien. Nach der Auszählung der Briefwahlstimmen bei der Bundespräsidenten-Stichwahl liegt der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen bei 50,3 Prozent der Stimmen und gewinnt somit das Rennen um die Hofburg. Norbert Hofer erreichte 49,7 Prozent. Genau 31.026 Stimmen liegen zwischen Van der Bellen und Hofer. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,7 Prozent.
Der Kandidat der FPÖ hatte bereits vor dem Verkünden der Endergebnisse seine Niederlage eingestanden. "Ich bedanke mich für Eure großartige Unterstützung. Natürlich bin ich heute traurig", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Der Einsatz für den Wahlkampf sei "nicht verloren sondern eine Investition in die Zukunft".
Van der Bellen gewinnt Wahl in den Städten
Van der Bellen gewann die Wahl vor allem in den großen Städten. Er erreichte in allen Landeshauptstädte mehr Stimmen als sein Konkurrent Hofer. In Wien machten 63,32 Prozent aller Whälerinnen und Wähler ihr Kreuzerl bei Van der Bellen. Im Wiener Bezirk Floridsdorf, das am gestrigen Sonntag noch blau eingefärbt war, hat Van der Bellen durch die Briefwahl
ebenfalls die Mehrheit erreicht: Er erhielt 51,13 Prozent, Hofer 48,87
Prozent der gültigen Stimmen. Einzig im 11. Bezirk, in Simmering, lag Hofer vorne.
Nach der Auszählung der Briefwahlstimmen liegt Van der Bellen auch in Wiener Neustadt an erster Stelle. Nach Rathaus-Angaben erzielte er in der zweitgrößten Stadt Niederösterreichs 50,41 Prozent. Auf Norbert Hofer entfielen demnach 49,59 Prozent der gültigen Stimmen.
Van der Bellen musste 144.006 Stimmen aufholen
Eine Rekordanzahl von Briefwählern hat Van der Bellen in der Bundespräsidenten-Stichwahl zum Sieg verholfen. 766.076 Stimmen wurden am Postweg abgegeben, 746.110 davon waren gültig - und wählten zu 61,7 Prozent den Grünen Professor. Ziemlich hoch war allerdings der Anteil der ungültigen Stimmen in der Stichwahl.
Die Wiener und steirischen Briefwähler haben Alexander Van der Bellen somit mehr als die Hälfte dessen an Stimmen gebracht, was er brauchte, um den Vorsprung von Hofer abzubauen. Um 144.006 lag Hofer im vorläufigen Endergebnis Sonntagabend vorne, die Auszählung der Wiener und der steirischen Briefwahl ließ diesen Vorsprung um fast 87.000 Stimmen schmelzen.
Aus Kärnten kam ein weiteres Plus von 4.000 Stimmen für Van der Bellen. In Wien baute der Grüne den Vorsprung auf Hofer von 135.119 Stimmen mit der Briefwahl auf 209.560 aus. In der Steiermark blieb zwar Hofer mit 56,22 Prozent (am Wahlsonntag waren es noch 58,68 Prozent) vorne. Aber durch die Briefwähler schmolz sein Vorsprung gegenüber dem Grünen von ursprünglich fast 97.000 auf nach der Briefwahl nur mehr rund 85.000 Stimmen. Van der Bellen steigerte sich von 41,32 auf 43,78 Prozent.
Van der Bellen mobilisierte stärker als HoferDer von den Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen hat deutlich besser mobilisiert als FPÖ-Hofburg-Anwärter Norbert Hofer, sowohl im Lager der Nichtwähler als auch bei den Wähler der im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Kandidaten. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Wählerstromanalyse von Andreas Kohlsche vom Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung in Kaufbeuren hervor.
"Ich danke für dieses Vertrauen"
Van der Bellen hat am Montag in seiner ersten Rede nach geschlagener Wahl zum Bundespräsidenten seinen Wählern gedankt: "Ich danke für dieses Vertrauen", meinte er vor Vertretern der in- und ausländischen Presse im Wiener Palais Schönburg.
Seinem knapp unterlegenen FPÖ-Konkurrenten Norbert Hofer zollte er "persönlichen Respekt und Anerkennung" und gratulierte ihm "bei aller inhaltlichen Differenz" zu einem "sehr engagierten Wahlkampf". Den Österreichern dankte Van der Bellen ganz generell dafür, "dass sie zur Wahl gegangen sind".
Seine Mitgliedschaft bei den Grünen werde er ruhend stellen, kündigte Van der Bellen an.
