• vom 02.12.2016, 17:18 Uhr

Bundespräsidenten-Wahl

Update: 03.12.2016, 08:56 Uhr

Bundespräsidentenwahl 2016

Es ist vorbei




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  • Von defekten Klebern und Beinahe-Präsidenten: Ein Wahlkampf-Jahr, in dem es fast nichts gab, das es nicht gibt.





Wien. (dg) Eine Wahlanfechtung, eine Wahlverschiebung, schadhafter Kleber und ungültige Wahlkarten, offengelegte Krankenakten, Verschwörungstheorien und Untergriffe. Es war nicht nur der längste Wahlkampf der Zweiten Republik. Es war auch, zumindest augenscheinlich, der intensivste, aggressivste und mitunter skurrilste.

"Dafür stehe ich und deshalb bin ich bereit, zu kandidieren."

Die Kandidatur von Irmgard Griss am 17. Dezember 2015 war der Auftakt zum längsten Wahlkampf in der Geschichte Österreich

"Mein Name ist Van der Bellen. Ich kandidiere für das Amt des Bundespräsidenten der Republik Österreich."

Kurz darauf, nämlich am 8. Jänner 2016, verkündet Alexander Van der Bellen seine Kandidatur; noch unwissend, dass fast ein Jahr Wahlkampf auf ihn zukommt

"Man muss wissen, wo man hingehört."

Erwin Pröll, lange Hoffnungsträger der ÖVP für die Hofburg, bleibt lieber in St. Pölten

"Sicherlich kennen Sie das: Plötzlich kommt eine Herausforderung auf einen zu, mit der man überhaupt nicht gerechnet hat."

Nach Prölls Absage muss Andreas Khol für die ÖVP ins Rennen

"I mog des Land, i mog die Leit."

Weil er das Land und die Leute mag

"Lieber Alois, du hast ja schon ein paar Ministerien ausprobiert, aber die Hütte ist die Hütte."

Kurz darauf verkündet die SPÖ ihren Präsidentschaftskandidaten Rudolf Hundsdorfer. Und der übergibt das Sozialressort an Alois Stöger

"Wenn Stenzel, Strache und Kickl versuchen, Sie von etwas zu überzeugen, dann werden sie Erfolg haben."

Die FPÖ lässt sich mit der Verkündung ihres Kandidaten länger Zeit. Ende Jänner steht fest, dass Norbert Hofer kandidiert

"Die Cathy und ich würden im Schnitt 54 Jahre alt sein und dann wären wir das jüngste Bundespräsidentenpaar Österreichs."

Baumeister Richard Lugner und seine Frau Cathy, mittlerweile geschieden, treten quasi als Hofburg-Duo an. Und:

"Ich würd’ es um 500.000 Euro billiger machen."

Lugner verspricht den Wählern, ein besonders billiger Präsident zu werden

"Momentan habe ich schon den Eindruck, dass der Wahlkampf
als Politik-Dschungelcamp aufgezogen wird."

ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner sieht die Seriosität im Wahlkampf gefährdet

"Dann wird sie nicht behandelt, die arme Frau."

Das Thema Zuwanderung und Integration dominiert auch die erste Runde des Präsidentschaftswahlkampfs. Alexander Van der Bellen wäre dagegen, eine Ärztin zu rufen, wenn der Ehemann einer Patientin die Behandlung durch einen männlichen Mediziner verweigert

"Mich erinnert das an den Gütesiegel-Schmäh: Man schreibt Bio drauf und drinnen ist das Gegenteil."

Hofers Wahlkampfleiter und FPÖ-Generalsekräter Herbert Kickl kauft Van der Bellen den Patrioten nicht ab. Letzterer setzt im Wahlkampf auf den Heimat-Begriff

"Wir brauchen keinen faschistischen grünen Diktator."

FPÖ-Kandidat Hofer legt nach

"Also ich bin sicher kein Katastrophen-Rudi! Wenn ich lächle, bin ich eh fesch."

SPÖ-Kandidat Hundstorfer bestreitet, das Unheil wie ein Baum den Blitzschlag anzuziehen, und weiß, wie er sich beim Wähler beliebt macht

"Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist."

Hofers Aussage ihm Rahmen einer Elenfantenrunde im ORF provoziert heftige Kritik und klingt fast prophetisch für alles, was noch folgen soll

"Arschknapp."

So kommentiert Alexander Van der Bellen den Ausgang der ersten Stichwahl. Er wurde mit 50,3 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Präsidenten gewählt

"Wir sind keine schlechten Verlierer, da geht es um die Grundfesten der Demokratie, die gesichert sein müssen. Ohne diese Pannen und Unregelmäßigkeiten hätte Hofer Präsident werden können."

Am 8. Juni legt die FPÖ Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof ein und ficht die Stichwahl an

"Die FPÖ hat wochenlang Weltverschwörungstheorien gezielt verbreitet. Norbert Hofer ist ein schlechter Verlierer."

Die Grünen, die Van der Bellen unterstützen, haben mit der Wahlanfechtung natürlich keine Freude

"Das wurde immer so gemacht."

Ein FPÖ-Beisitzer über die nicht ganz rechtskonforme Stichwahlauszählung.

"Der Anfechtung wird stattgegeben."

Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Gerhart Holzinger, verkündet am 1. Juli die Aufhebung der Stichwahl wegen Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung. Es ist die erste Bundeswahl, die in ganz Österreich aufgehoben wird

"Er hat wirklich eine herrliche Lunge."

Van der Bellens Arzt über dessen Gesundheitszustand

"Es gibt ein Sprichwort: ‚Wer den Schaden hat, hat den Spott.‘"

Der Kleber war’s. Am 12. September muss Innenminister Wolfgang Sobotka die aufgehobene Stichwahl nochmals verschieben. Wegen eines schadhaften Klebers hatten sich zahlreiche Wahlkarten schon auf dem Postweg geöffnet und wurden damit ungültig

"Offenkundig war einer der Wahlwerber entschlossen, den Sieg des anderen nicht zu akzeptieren. Er hat bereits vor der Stichwahl die Wahlanfechtung aufgrund von Mängeln bei vorangegangenen Wahlen vorbereitet, die in diesem Ausmaß nicht allgemein, aber offenkundig den Wahlbeisitzern dieses Kandidaten bekannt waren; sie haben aber in der Wahlbehörde (mit einer Ausnahme) nicht darauf hingewirkt, rechtmäßig vorzugehen. Ein anderer Kandidat hätte vielleicht gesagt, er akzeptiert auch eine Niederlage."




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Dokument erstellt am 2016-12-02 16:47:05
Letzte Änderung am 2016-12-03 08:56:52


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