Wien. Am Sonntagabend wehte ein Hauch von Amerikanismus durch die Wiener Sofiensäle. Wie ein Boxer in den Staaten wurde Alexander Van der Bellen auf seiner Wahlparty empfangen. Die hunderten jubelnden Gäste im Saal ließen ihrem Kandidaten einen schmalen Gang Richtung Bühne, als stünde er kurz vor dem Einstieg in den Ring. Doch diesen hatte er bereits wenige Stunden zuvor als Sieger verlassen, wie die Klänge von "We Are the Champions" kurz nach seinem Eintritt in den Saal unmissverständlich klarmachten. Seine Fans jubelten frenetisch, hielten rot-weiß-rote Van-der-Bellen-Plakate in die Höhe, schwangen Regenbogenfahnen und stimmten immer wieder "Sascha"-Chöre an. Van der Bellen lächelte entspannt, wie selten im Wahlkampf.

Dann folgen für politische Beobachter durchaus bemerkenswerte Szenen. Als ein Kinderchor auf der Bühne für den grünen Professor die Bundeshymne singt, stimmt das politisch links-alternative Publikum, das Nationalismen dieser Art eher ablehnend begegnet, lauthals ein. Als die Strophe "Heimat großer Töchter und Söhne" korrekt in der neuen Version gesungen wurde, folgte Applaus. Auch als die inoffizielle Hymne Österreichs "I am from Austria" des Austropoppers Rainhard Fendrich aus den Lautsprechern dröhnte, zeigte sich das Publikum äußerst textsicher.

Plötzlich sind also vorher als rechts verpönte Symbole wie die Liebe zur Heimat, die Bundeshymne und der Trachtenjanker bei den Linken salonfähig geworden. Und das ausgerechnet durch die Kandidatur eines ehemaligen Grünen-Chefs. Alexander Van der Bellen selbst soll in der Bundespräsidentenstichwahl die Idee aufgebracht haben, den Heimatbegriff zu nutzen. "Es war von Anfang an eine bewusste Entscheidung, die Van der Bellen so wollte", sagt sein Wahlkampfmanager Lothar Lockl. Es sei darum gegangen, den Begriff und die Symbole positiv zu besetzen - bei Van der Bellen, der als Kaunertaler mit Tracht aufwuchs, sei die Rückbesinnung auf die Wurzeln auch glaubwürdig gewesen. "Es ging darum, den Zusammenhalt Österreichs zu betonen und ein positives Österreich-Bild zu transportieren", so Lockl. "Es geht um einen Heimatbegriff, der mir sehr am Herzen liegt", sagte Van der Bellen selbst bei der Präsentation der ersten Heimat-Kampagne im April dieses Jahres.

Die Jugend erreicht?

In einem ist man sich uneinig: Während Wahlkampfmanager Lockl meint, dass die Heimat-Kampagne über die sozialen Medien auch bei den Jungen gut angekommen sei, bezweifelt das die Jugend selbst. Bei den Jungen Grünen sieht man auf Nachfrage die Symbole wie die rot-weiß-rote Fahne oder auch den Heimatbegriff selbst sehr kritisch. Dies wird als nationalistisch konnotiert abgelehnt.