Wien. Alexander Van der Bellen hat in den siebeneinhalb Monaten Wahlgeschehen eine beachtliche Aufholjagd hingelegt. Es ist ihm gelungen, zwischen dem ersten Wahlgang im April und der Stichwahl-Wiederholung mehr als 1,5 Millionen Wähler dazugewinnen - und einen Rückstand von 590.000 Stimmen in einen Vorsprung von fast 350.000 zu drehen. Hofer hat jetzt nur um 625.000 Wähler mehr als im April.

In den ersten Wahlgang war Van der Bellen zwar als Favorit gegangen, lag er zu Beginn des Jahres doch in allen Umfragen vorne. An den Urnen setzte sich dann allerdings Norbert Hofer durch. Er wurde erster der sechs Kandidaten, mit 35,05 Prozent und einem Vorsprung, Van der Bellen lag mit 21,34 Prozent weit hinter ihm - mit 586.753 Stimmen weniger als Hofer.

Briefwahlkrimi

In der Stichwahl am 22. Mai hielt sich Hofer bei den Wählern weiter vorne. Im vorläufigen Endergebnis vom Wahlsonntag kam er auf 51,93 Prozent und 144.006 Stimmen mehr als Van der Bellen (48,07 Prozent). Dann kam der Briefwahlkrimi: Mit der Wahlkartenauszählung am Montag schmolz der Vorsprung des FPÖ-Kandidaten, am Ende des Tages war Van der Bellen gewählter Bundespräsident, mit 50,35 Prozent und 30.863 Stimmen Vorsprung.

Das war der knappste Ausgang, den es je bei einer Bundespräsidentenwahl gegeben hatte - und die FPÖ focht das Ergebnis an. Erfolgreich, der Verfassungsgerichtshof hob erstmals österreichweit eine Wahl auf, wegen Rechtswidrigkeiten in der Briefwahlauszählung und der vorzeitigen Veröffentlichung von Wahlergebnissen. Hofer hatte eine zweite Chance - aber sie führte ihn nicht zum Ziel.

Denn Van der Bellen konnte sie wesentlich besser nutzen. Ihm gelang es bei der jetzigen Wiederholung der Stichwahl, seinen Vorsprung beträchtlich auszubauen: Er ist nun mit 53,79 Prozent (nicht-amtliches Endergebnis) und 348.231 Stimmen mehr als Hofer gewählter Bundespräsident. 2,472.892 Wähler gaben ihm zuletzt die Stimme. Im April waren es um 1,559.674 weniger - nämlich 913.218.

Van der Bellen legte zwischen der aufgehobenen und der wiederholten Stichwahl noch einmal um 221.375 Stimmen zu - während Hofer 95.993 Wähler verlor.

Schon angesichts dieser Tatsache ist es sehr unwahrscheinlich, dass die FPÖ die Wahl noch einmal anficht - und Hofer hat dies im Vorfeld auch schon ausgeschlossen. Möglich wäre eine weitere Anfechtung allerdings - und zwar nach der Verlautbarung des amtlichen Endergebnisses durch die Bundeswahlbehörde am 15. Dezember binnen einer Woche. Hundertprozentig fix ist Van der Bellens Einzug in die Hofburg also erst am 22. Dezember um Mitternacht. Und tatsächlich Bundespräsident ist er nach der Angelobung durch die Bundesversammlung am 26. Jänner.