Wien. Das Brexit-Chaos, der europaweit zunehmende Nationalismus, das Erstarken der extremen Rechten einerseits, sowie auf der anderen Seite massive Herausforderungen wie der Klimawandel, die Besteuerung von globalen Konzernen und nicht zuletzt Fragen nach der politischen Zukunft der Union: Selten war die Ausgangssituation vor einer Wahl zum Europäischen Parlament so polarisiert wie 2019. Das große Wort der "Schicksalswahl" wird immer wieder gerne bedient, beim Wahlgang vom 23. bis zum 26. Mai ist es aber nur schwer von der Hand zu weisen.

Prognosen deuten an, dass die europafeindlichen und -skeptischen Parteien stark zulegen könnten. Möglich ist sogar Platz zwei für die EU-feindliche Fraktion Europa der Nationen und Vaterländer (ENF). Im Raum stehen aber auch weitere Fraktionsgründungen. Kurz vor Beginn des Intensivwahlkampfs nun ein Überblick über die Wahlprogramme und Kandidaten am 26. Mai:

Lange war unklar, ob das ÖVP-Urgestein Othmar Karas - er ist seit 1999 EU-Abgeordneter - auch für ÖVP-Chef Sebastian Kurz ins Rennen gehen wird. Mehrmals äußerste sich Karas kritisch über die Linie des Kanzlers, besonders, was Fragen von Migration- und Asyl betrifft. Karas steht für einen pragmatischen, aber durchaus vehementen proeuropäischen Kurs, die FPÖ ist für ihn ein rotes Tuch.

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Karas selbst will "die EU handlungsfähiger machen". Dass man in Kurz’ "neuer Volkspartei" die Bühne nicht für Karas alleine freiräumen will, zeigt zweierlei: Im Gegensatz zur letzten EU-Wahl tritt die ÖVP nur als "Österreichische Volkspartei" an, ohne den Zusatz "Liste Othmar Karas". Andererseits stellte man Karas Karoline Edtstadler, aktuell Staatssekretärin im Innenministerium, zur Seite. Edtstadler kandidiert auf dem zweiten Listenplatz und fährt im Gegensatz zu Karas die typischen Themen der ÖVP-FPÖ-Koalition: Härte bei Asyl und Migration stehen im Vordergrund. Edtstadler wird als mögliche EU-Kommissarin gehandelt: Die ÖVP führt einen Vorzugsstimmenwahlkampf, der Wahlgang stellt also auch ein internes Duell zwischen Karas und Edtstadler dar. Die ÖVP verpackt dies in ihren Wahlslogan "In Vielfalt geeint".

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Weniger bekannte Namen finden sich auf den Plätzen drei bis fünf: Nationalratsabgeordnete Angelika Winzig, dahinter die ÖVP-Bürgermeisterin im steirischen Hitzendorf, Simone Schmiedtbauer, und Lukas Mandl, der Nachfolger der von Brüssel ins Landwirtschaftsministerium gewechselten Elisabeth Köstinger. Der ORF-Moderator Wolfram Pirchner kandidiert auf Platz sechs.