Wien. Die Platzierung der Parteien bei der EU-Wahl ist für Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) "ziemlich aufgelegt". Auf dem ersten Platz sieht er ebenso wie Politologe Peter Filzmaier und Politikberater Thomas Hofer die ÖVP. "Alles andere wäre eine unglaubliche Überraschung", sagte der OGM-Chef. Auf Platz zwei erwartet er die SPÖ, dahinter die FPÖ, gefolgt von den NEOS.

Noch nicht klar ist für Bachmayer, der betonte, selbst noch über keine Erhebungsdaten zu verfügen, wie sich die "ungewöhnliche Strategie der Doppelspitze" der ÖVP auswirkt. Üblicherweise sei das etwas, was man in Wahlkämpfen "eher vermeidet". Der Plan könnte aber aufgehen, da mit Spitzenkandidat Othmar Karas der "linke Flügel" der ÖVP abgedeckt werde, während Listenzweite Karoline Edtstadler die "ein bisschen mit Law and Order anzusprechenden" ÖVP-Wähler bediene.

Für Hofer hat die ÖVP damit "aus der Not geboren" eine gute Strategie festgelegt. Dass Karas bei den Vorzugsstimmen ein ähnliches gutes Ergebnis wie 2014 erreicht, bezweifeln beide aufgrund des heuer geltenden parteiinternen Vorzugsstimmensystems.

SPÖ auf Platz 2

Favorit für den zweiten Platz ist nach Einschätzung Bachmayers die SPÖ. Bei der organisatorischen Aufstellung der SPÖ sieht Hofer Schwächen, etwa was die Nutzung der Sozialen Netzwerke betrifft. Aber auch er glaubt aus derzeitiger Sicht, dass die Partei Platz zwei halten kann.

Die FPÖ profitiere von der "Monopolstellung", die einzige Partei für das Lager der EU-Skeptiker bis EU-Gegner zu sein, so Bachmayer. Ob die Debatte um die Identitären den Freiheitlichen schadet oder vielleicht sogar eine Mobilisierung bringt, könne er noch nicht einschätzen. Aus Sicht Hofers könnte die "Causa Identitäre" könnte einen Rückschlag für die Mobilisierung im freiheitlichen Lager bedeuten.

Das Rennen um Platz 4

Auf dem vierten Platz sieht Bachmayer derzeit die NEOS, "knapp gefolgt" von den Grünen, "die wahrscheinlich mit der EU-Wahl ein für sie dringend notwendiges Lebenszeichen von sich geben werden". Auch Hofer prophezeit den NEOS ein "respektables Abschneiden", wenn auch "keine dramatischen Zuwächse".

Für den Einzug der Grünen würde Bachmayer zwar "nicht die Hand ins Feuer legen". Denn es sei nicht gänzlich auszuschließen, dass das JETZT-Bündnis "Europa 1" zwar knapp scheitert, aber doch so viele Stimmen aus dem Grünen Lager holt, dass es sich auch für diese nicht ausgeht. Hofer beurteilt die Chancen der Grünen auf einen "soliden Einzug" dagegen als "sehr gut".

Ein "dickes fettes Fragezeichen" sieht Bachmayer hinter der Frage, ob das JETZT-Bündnis "Europa 1" den Einzug schafft. Grüne und JETZT wären jedenfalls gut beraten, "keinen Kannibalisierungswahlkampf" zu betreiben und sich nicht auf persönlicher Ebene anzugreifen, sagte Filzmaier. Denn bei den Nichtwählern sei mehr zu holen als im Lager des Konkurrenten. Dies hätten beide bisher auch beherzigt.

Der KPÖ, die es als einzige der Kleinparteien auf den Stimmzettel geschafft hat, rechnet Bachmayer "sehr geringe bis praktisch keine Chancen" aus, ein Mandat zu ergattern. "Die KPÖ hat ihr Ziel mit der Kandidatur realistisch gesehen schon erreicht", befand auch Filzmaier.(apa)