Genau diesen Rechtsruck verhindern, das war das große Ziel von SPÖ, NEOS, der Liste EUROPA Jetzt und den derzeit im Nationalrat nicht vertretenen Grünen. "Europäisch oder identitär?" lautet daher - in Anspielung auf die Nähe der FPÖ zur rechtsextremen Identitären Bewegung - auch einer der SPÖ-Wahlkampfslogans. Zudem forderte Spitzenkandidat Andreas Schieder ein europaweites Verbotsgesetz gegen rechtsextreme Parteien, wie die deutsche NPD oder die ungarische Jobbik. Eine "Blaupause des österreichischen Verbotsgesetz" solle die EU-weite Regelung sein, so Schieder. Ebenso in den Fokus ihrer Kampagne nahmen die Roten die Steuer-Umgehungskonstruktionen internationaler Unternehmen: "Mensch oder Konzern" plakatierte die SPÖ daher auch zu Beginn, ein Sujet, dass später mit "Mensch statt Konzern" aufgelöst wurde.

Europäisch legten es die NEOS an. Während NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger ihre frisch geborene Tochter den Zweit-Namen "Europa" gab, sorgte Spitzenkandidatin Claudia Gamon unter anderem mit dem Ruf nach einer gemeinsamen EU-Armee für Aufsehen. Auch warben die Pinken für ein Ende der Grenzkontrollen in der EU - und zwar mit Plakatständern an staugefährdeten Übergängen. Und statt des "Tag der Arbeit" am 1. Mai schlug Gamon vor, einen neuen Europa-Feiertag am 8. Mai zu etablieren.

Für die Grünen stellt sich mit der EU-Wahl wohl auch die Frage ihrer künftigen Existenz. Spitzenkandidat und Parteichef Werner Kogler setzte dabei auf den Slogan "Zurück zu den Grünen", der sich durch den ganzen Wahlkampf zog. Neben dem Plädoyer für ein starkes Friedensprojekt Europa (Plakatslogan: "Wer braucht schon Frieden? Du?") setzten die Grünen vor allem auf ihre Kernthemen wie Klimaschutz, Artenschutz und Lebensmittelsicherheit. Als Unterstützung vor allem bei diesen Themen holte sich Kogler die bekannte TV-Köchin Sarah Wiener, die auf dem zweiten Listenplatz kandidiert. "Momentan wird etwas gefördert, das verursacht, dass sogar ich Glyphosat pinkle!", untermauerte sie ihre Forderung nach einem Verbot des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels - eine Forderung, die übrigens auch die SPÖ propagierte.

Keine Einigung schaffte Kogler im Vorfeld des Wahlkampfs mit der 2017 abgespaltenen Liste Jetzt, mit der der Ex-Grüne Peter Pilz 2017 die Grünen aus dem Nationalrat verdrängt hatte. Zwar gab es Gespräche, letztendlich ging aber die Initiative "EUROPA Jetzt" mit dem ehemaligen Grünen Johannes Voggenhuber als Spitzenkandidat an den Start, mit (finanzieller) Unterstützung durch JETZT. Ob der Ibiza-Skandal und seine Folgen die als gering eingeschätzten Chancen des langjährigen EU-Parlamentariers auf einen Einzug ins EU-Parlament steigern kann, war wenig abzusehen. Voggenhuber präsentierte sich im Wahlkampf inhaltlich nah den Grünen und zeigte sich trotz schlechter Umfragewerte unerschüttert zuversichtlich, das Comeback auf EU-Ebene zu schaffen. Seiner alten Partei will Voggenhuber "nichts wegnehmen", beteuert er - und positionierte sich inhaltlich vor allem als Kämpfer "für die Verteidigung Europas" gegen Rechts, Nationalismus, Rassismus und antieuropäische Politik. (apa)