Straßburg/Wien. Seit 8.00 Uhr haben fast alle rund 10.120 Wahllokale für die heutige EU-Wahl geöffnet. 6,4 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Wie sie sich entschieden haben, verkündet Innenminister Eckart Ratz zum EU-weiten Wahlschluss um 23 Uhr - allerdings noch ohne Briefwahlstimmen. APA, ORF und ATV informieren schon zum österreichischen Wahlschluss um 17 Uhr mit einer Trendprognose.

Die EU-Wahl steht im Schatten der schweren innenpolitischen Turbulenzen - seit ein 2017 in Ibiza aufgenommenes Video auftauchte, in dem Heinz-Christian Strache über illegale Parteienfinanzierung und die Vergabe von Staatsaufträgen gegen Wahlkampfhilfe spricht. Acht Tage vor der Wahl trat Strache als Vizekanzler und Parteichef zurück, Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte der FPÖ die Zusammenarbeit auf und rief die Neuwahl im Herbst aus. Wie sich all diese Erschütterungen - samt dem Kurz am Montag im Nationalrat drohenden Misstrauensantrag - auf die Wahl auswirken, war nicht abschätzbar.

Erste Prognosen soll es um 20.15 Uhr geben, eine erste Hochrechnung erst nach dem europaweiten Wahlschluss um 23 Uhr. - © APAweb/AFP, Eric Baradat
Erste Prognosen soll es um 20.15 Uhr geben, eine erste Hochrechnung erst nach dem europaweiten Wahlschluss um 23 Uhr. - © APAweb/AFP, Eric Baradat

Die ÖVP mit Spitzenkandidat Othmar Karas hofft jedenfalls, den schon 2009 eroberten und 2014 mit 26,98 Prozent verteidigten ersten Platz halten zu können. SPÖ-Spitzenkandidat Andreas Schieder möchte mehr als die 24,09 Prozent der vorigen Wahl holen. Die FPÖ wollte ihr heuer den zweiten Platz streitig machen. 2014 lag sie - ebenfalls von Harald Vilimsky in die Wahl geführt - mit 19,72 Prozent klar hinter den Sozialdemokraten.

Die Grünen holten damals mit 14,52 Prozent ihren Bundes-Rekord - und heuer muss Parteichef Werner Kogler als Spitzenkandidat eine "Schicksalswahl" schlagen nach dem Rauswurf aus dem Nationalrat 2017. Die NEOS - als einzige der aussichtsreichen Parteien von einer jungen Frau, Claudia Gamon, in die Wahl geführt - wollen heuer mehr als die 8,14 Prozent des Jahres 2014. Seit damals ist Österreich mit je fünf Abgeordneten von ÖVP und SPÖ, vier von der FPÖ, drei Grünen und einer NEOS-Mandatarin im EU-Parlament vertreten.

In dieses zurückkehren möchte mit dieser Wahl der langjährige Grüne Abgeordnete Johannes Voggenhuber mit seiner Initiative EUROPA Jetzt, unterstützt von Peter Pilz' neuer Partei. Die KPÖ war die einzige Kleinpartei, die genug Unterschriften sammeln konnte, um am Stimmzettel zu stehen.

580.000 Stimmen werden erst am Montag ausgezählt