Wien. Herbe Verluste, enttäuschende Ergebnisse: Lange war Wien für die ÖVP ein schwieriges Pflaster. 14,5 Prozent erreichte die Partei bei der Nationalratswahl 2013 in der Bundeshauptstadt, 2015 schlitterte sie bei der Gemeinderatswahl mit 9,2 Prozent in die Bedeutungslosigkeit.

Aus dieser Tiefe geht es für die nunmehr Türkisen wieder bergauf. Zwar liegen die Ergebnisse in Wien noch weit hinter jenem im Bund, die Trendwende ist aber geschafft. 21,6 Prozent erzielte die ÖVP bei der Nationalratswahl 2017, und auch bei der EU-Wahl kann sie sich nun über ein Plus freuen. Sie überholte die FPÖ und Grünen, mit 21,2 Prozent rangierte sie laut dem vorläufigen Endergebnis ohne Wahlkarten auf dem zweiten Platz - plus 4,6 Prozent gegenüber der EU-Wahl 2014.

In der Innenstadt, Hietzing und Döbling verteidigte die ÖVP den ersten Platz. In den grün-dominierten Bezirken wie Währing, Josefstadt und Wieden musste die ÖVP leichte Verluste hinnehmen. Auffällig ist jedoch, dass sie vor allem in den Flächenbezirken, die nicht gerade als bürgerliche Hochburgen bekannt sind, teils deutlich zulegte. So kam sie in Favoriten, Simmering, Floridsdorf und Donaustadt auf rund 18 bis 21 Prozent, teils erzielte sie Zuwächse von neun Prozentpunkten.

Deutliche Einbußen für FPÖ

Genau in diesen Flächenbezirken mussten die Freiheitlichen Einbußen hinnehmen, teils sehr massive: In Favoriten verlor die FPÖ sechs Prozentpunkte, in der Brigittenau 5,5 Prozentpunkte. Sie büßte aber nahezu in allen Bezirken ein, nur in der Innenstadt legte sie minimal zu. Mit 15,5 Prozent landete die FPÖ in Wien auf dem vierten Platz.

Bisher waren die Flächenbezirke, die vielfach als die klassischen Arbeiterbezirke gelten, zwischen FPÖ und SPÖ hart umkämpft. Dass nun auch die ÖVP hier mitmischt, scheint überraschend, deckt sich aber mit der Wählerstromanalyse von ORF und Sora: Laut dieser holten sich die Schwarzen ihre Stimmen vor allem von den Sozialdemokraten und den Freiheitlichen.

Während die SPÖ-Bundespartei bei der EU-Wahl eine Schlappe erlitt, zeigte sich für die Wiener Landespartei ein positives Bild. Sie holte in Rudolfsheim-Fünfhaus, Landstraße und Margareten den ersten Platz von den Grünen zurück und verbuchte ein Plus von knapp drei Prozentpunkten. Mit 30,5 Prozent lag sie klar an der Spitze. "In Wien zeigt sich die volle Stärke der Sozialdemokratie", so Bürgermeister Michael Ludwig.

In ihren Hochburgen Floridsdorf und Donaustadt war das Plus der Sozialdemokraten nur marginal, deutliche Zuwächse gab es hingegen in Ottakring, Rudolfsheim-Fünfhaus und Margareten. Einen minimalen Verlust gab es für die SPÖ in Liesing.

Stabile Grüne, Neos gewinnen leicht

Weitgehend unverändert stellte sich die Lage für die Neos und die Grünen dar. Die Neos verzeichneten ein leichtes Plus und wurden beinahe zweistellig. Die Grünen mussten marginale Verluste hinnehmen, blieben mit knapp zwanzig Prozent aber im Vergleich zur EU-Wahl 2014 stabil. Die Wahlbeteiligung lag in Wien bei 47 Prozent, das ist ein Plus von 3,8 Prozentpunkten. Bundesweit gingen fast 59 Prozent wählen.