London. Der Chef der rechtspopulistischen United Kingdom Independence Party (UKIP) aus Großbritannien, Nigel Farage, sieht gute Chancen für einen länderübergreifenden Triumph der Euroskeptiker bei der EU-Wahl. "Die Umfragen sind unheimlich ermutigend", sagte Farage der AFP. "Es wird mehr Euroskeptiker im nächsten Parlament geben, das ist sicher - und sie werden das ganze politische Spektrum abbilden."

Die Phalanx der EU-Kritiker werde nach der Wahl am 25. Mai vom rechtsextremen nationalistischen Flügel bis zu den Kommunisten reichen, prophezeite der Brite. Ob es aber für eine Sperrminorität im Plenum reichen werde, "das bezweifle ich".

Gegen den Einheitsstaat

Den Vorwurf, seine Partei sei anti-europäisch, wies Farage zurück. Dies sei lächerlich, sagte der leidenschaftliche EU-Kritiker, der dem Brüsseler Politikapparat abermals "eine teure Bürokratie und grundlegend undemokratisches Regieren" attestierte und seine Symbole ablehnte: "Ich hasse die Flagge. Ich hasse die Hymne. Ich hasse die Institutionen." Ginge es nach Farage, sollte Europa aus "miteinander kooperierenden souveränen, unabhängigen, demokratischen Nationen" bestehen, niemals aber aus einem Einheitsstaat.

Der Brite ist unter anderem für die gut sichtbare Fahne des Vereinigten Königreichs auf seinem Abgeordnetenpult im Europaparlament bekannt. Wenn im Plenarsaal die Europahymne ertönt, reagieren er und seine Landsleute von der UKIP regelmäßig mit Buhrufen.

Zulauf in anderen Staaten

Umfragen zufolge gewinnen euroskeptische oder gar europafeindliche Parteien seit Monaten überall in Europa an Zulauf. Die FPÖ, die französische rechtsextreme Front National, die griechische Neonazi-Partei Goldene Morgenröte, die islamfeindliche niederländische "Freiheitspartei" PVV, Euroskeptiker wie die Alternative für Deutschland (AfD), oder auch anarchische Bewegungen wie die "Fünf Sterne" des Italieners Beppe Grillo dürfen auf mehr Wählerstimmen als vor fünf Jahren hoffen.

Derzeit sitzen im Europaparlament mehr als hundert Abgeordnete, die der Europäischen Union nichts oder nur wenig abgewinnen können - Rechtsextreme, Rechtspopulisten und Euroskeptiker, die EU-Gesetze aus Prinzip ablehnen. Dies erschwert schon jetzt die Gesetzgebung, zumal bei manchen Abstimmungen die Mehrheit aller Mandate notwendig ist und nicht nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.