Der Klubchef der Wiener Grünen, David Ellensohn, war der einzige Wiener Spitzenpolitiker, der sich über ein "sensationelles Ergebnis" freuen konnte. Man liege auf Platz zwei und deutlich vor der FPÖ und der ÖVP, erklärte er gegenüber der APA. Der Erfolg sei unter anderem darauf zurückzuführen, weil man klar sage, wofür man stehe: "Wir müssen in einem Wahlkampf nicht drei Mal die Position wechseln."

Für die Wien-Wahl im kommenden Jahr zeigte sich der grüne Klubobmann zuversichtlich. Wenn das Verhältnis zum SPÖ-Ergebnis ähnlich ausfalle, werden die Grünen nicht nur ein, sondern mehrere Ressorts übernehmen, prophezeite Ellensohn. "Und außerdem wird es viele grüne Bezirksvorsteher geben", verwies er auf den Umstand, dass die Grünen in zahlreichen Bezirken stimmenstärkste Partei wurde.

Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zeigte sich hingegen überzeugt, dass die Resultate in Wien, wo die SPÖ stagnierte, keine Prognosen für die Wien-Wahl im kommenden Jahr zulassen: "Da wird es ganz andere Themen geben." Eine EU-Wahl könne man mit einer Gemeinderatswahl nicht vergleichen. Wobei er durchaus eingestand, dass die Gewinne der Grünen in Wien "bemerkenswert" seien: "Das muss man zur Kenntnis nehmen." Das FPÖ-Ergebnis in Wien sei hingegen bescheiden, so Häupl: "Das ist mir auch recht."

Der Wiener ÖVP-Obmann Manfred Juraczka gratulierte dem Spitzenkandidaten Othmar Karas. Das Ergebnis bestätige die Europa-Kompetenz der Volkspartei. Das Ergebnis in Wien sei ebenfalls erfreulich: "Die Hochrechnungen zeigen hier einen ähnlichen Trend wie auf Bundesebene. Wir sind überzeugt, dass sich unser Ergebnis nach Auswertung der Wahlkarten noch verbessern wird", so der Chef der Stadt-Schwarzen in einer Aussendung.

Die FPÖ traf sich bei Bier und Schnitzel, und Wahlkampfleiter Herbert Kickl posaunte große Ziele hinaus: "Ich werde Häupl in Wien ablösen als Bürgermeister." Verärgert zeigte er sich über Journalistenfragen, die den Wahlerfolg der Freiheitlichen nicht anerkennen würden. Allerdings war auch den blauen Parteigängern klar, dass die Bestmarke aus Ära Haider (1996: 27,53 Prozent) klar verfehlt wurde.