Hans-Peter Doskozil geht heute in seine erste Wahl als Landeshauptmann des Burgenlandes. Die SPÖ hatte, ähnlich wie die ÖVP in Niederösterreich, rund ein Jahr vor der Landtagswahl eine Änderung an der Spitze der Partei (und des Landes) vorgenommen. Wobei im Burgenland die Wahl nach der Ibiza-Affäre um ein paar Monate vorverlegt wurde, Niederösterreich wählte 2018 plangemäß.

Johanna Mikl-Leitner hatte nach der Übernahme von Erwin Pröll die absolute Mehrheit der ÖVP knapp verteidigen können. Die SPÖ startet im Burgenland aus anderer Position, nachdem Hans Niessl 2015 mehr als sechs Prozentpunkte verloren hat. Nachfolger Doskozil hofft auf leichte Zugewinne, eine absolute Mehrheit wie in den Jahren 2005 bis 2015 ist nicht zu erwarten.

Der Sonntag wird weisen, ob sich das Umfragetief der Sozialdemokraten auf Bundesebene auch im Land auswirken wird. Der Politikwissenschafter Laurenz Ennser-Jedenastik verwies am Freitag in mehreren Nachrichten auf der Plattform Twitter auf eine vorhandene Korrelation zwischen Ergebnissen von Landtagswahlen und bundesweiten Umfragen, auch wenn es immer wieder signifikante Ausreißer und Ausnahmen gab. Auch die Beteiligung an einer Bundesregierung, wie gegenwärtig bei ÖVP und Grüne, die im Burgenland aber in Opposition sind, spiele eine gewisse Rolle.

Basierend auf empirischen Daten errechnete Ennser-Jedenastik eine Art Vorhersage, die allerdings keine Prognose in dem Sinn darstellt, sondern eine "Benchmark zur Bewertung der Performance der Landesparteien", wie der Politikwissenschafter schreibt. Demnach käme die SPÖ auf 38,4 Prozent, die ÖVP auf 34,7 Prozent. Aufgrund der Umfragedaten im Burgenland selbst ist allerdings davon aufzugehen, dass die SPÖ besser und die ÖVP schlechter abschneiden wird als in diesem Modell.

Weiter mit der FPÖ?

Vor allem für die SPÖ ist dieses Ergebnis von Relevanz, da der Burgenländische Landeshauptmann immer wieder in Konflikt mit der Bundes-SPÖ stand, wie auch die gesamte Landespartei, die sich 2015 entschied, mit der FPÖ eine Koalition einzugehen. Das war für die SPÖ im Bund und in anderen Bundesländern verpönt. Über seinen Regierungspartner fand Doskozil zuletzt aber nur lobende Worte, der SPÖ-Chef legte sich aber nicht fest, ob er auch nach der Wahl mit den Freiheitlichen weiter koalieren wird.

Spannend wird es am Sonntag auch für die Neos. Das Burgenland ist einer von zwei weißen Flecken auf der Landkarte. Nur hier und in Kärnten sind die Pinken bisher nicht in den Landtag eingezogen. Das könnte sich diesmal ändern, doch es wird eine Zitterpartie für die Neos. Die Grünen sind seit 1996 im Landtag vertreten, sie könnten ihren Mandatsstand von zuletzt zwei Sitzen unter Umständen ausbauen. Seit 2010 ist auch die Liste Burgenland vertreten, die sich vor zehn Jahren von der FPÖ abgespalten hatte. 2015 trat man gemeinsam mit dem Team Stronach an, doch das gibt es nicht mehr. Ob die Liste erneut den Einzug schafft, ist ungewiss. Parteichef Manfred Kölly ist auch Bürgermeister in Deutschkreutz, er konnte 2018 bei der Gemeinderatswahl seinen Bürgermeistersessel verteidigen.