Die SPÖ kann noch Wahlen gewinnen. Und wie sogar! Hans Peter Doskozil hat das am Sonntag bei der Landtagswahl im Burgenland eindrucksvoll bewiesen. Der historische Tiefstand von 2015 ist nicht nur vergessen gemacht, laut Hochrechnung kann die SPÖ womöglich sogar die lang vermisste absolute Mandatsmehrheit zurückerobern.

Zu verdanken hat dies Doskozil der Rückkehr heimatloser FPÖ-Wähler zur SPÖ, einem perfekten Wahlkampf, der einzig und allein auf die Person des populären Landeshauptmanns zugeschnitten war, sowie schwachen Gegnern und Herausforderern. Vor allem die FPÖ wird sich jetzt fragen, ob sie nicht wenigsten dem Schein nach, einen richtigen Wahlkampf hätte führen sollen.

Immerhin arbeitete die Landeshauptmann-Partei gezielt auf dieses Ergebnis hin: Nicht nur, dass die SPÖ im Landtag eine ansonsten in der SPÖ verfemte Koalition mit den Blauen lebt; auch nach "Ibiza" kam Doskozil kein böses Wort über den Juniorpartner über die Lippen. Im Rest der SPÖ stellt man die herzliche Abneigung gegen die FPÖ so mittig in die Auslage, dass selbst einstige Rot-Wähler erst gar nicht auf die Idee kommen, zur ehemaligen Partei zurückzukehren. Doskozil hat mit dieser Wählervertreibung Schluss gemacht. Sehr zur Freude der ÖVP von Sebastian Kurz.

Die SPÖ wollte diesen Wählertausch im Burgenland zu ihren Gunsten umdrehen. Die Koalition mit der FPÖ war zentrales Mittel zu diesem Zweck – mit dem Zusatzvorteil, die ÖVP auf diese Weise von der Macht im Burgenland fernzuhalten. In dieser Konstellation hat er eine rigide Migrations- und Zuwanderungspolitik mit einer dezidiert linken Sozial- und Arbeitsmarktpolitik kombiniert. Und als Landeshauptmann-Partei konnte die Partei nicht nur heiße Luft ablassen, sie konnte vor allem umsetzen, was sie forderte. Das stärkt die persönliche wie politische Glaubwürdigkeit. Wähler ziehen konkrete Politik luftiger Rhetorik verlässlich vor.

Das – in Verbindung mit einer blutleeren und profilarmen Gruppe an Herausforderern. Vor allem der ÖVP ist es nicht gelungen, mit Thomas Steiner eine glaubwürdige Alternative zum Landeshauptmann aufzubauen. Zudem kamen taktische Fehler der Bundespartei, wie der undurchdachte Vorstoß des Innenministers für grenznahe Asylzentren, die nur 24 Stunden später schon wieder Geschichte waren und zu einer Steilvorlage für den Landeshauptmann wurde.

Die SPÖ kann also doch noch Wahlen gewinnen. Aber vorerst nur im kleinsten Bundesland, das nicht einmal 4 Prozent der gesamten Wahlberechtigten Österreichs repräsentiert. Was also kann die darniederliegende Bundes-SPÖ, was kann Pamela Rendi-Wagner vom Burgenland und seinem Wahlsieger lernen und übernehmen?

Anders als im Burgenland, wo die Partei Schalten und Walten kann, wie sie will, sitzt die SPÖ im Bund in der Opposition und kann von dort nur kritisieren und fordern, aber nichts Umsetzen. Mit Reden allein lässt sich aber schwer verloren gegangenes politisches Profil zurückgewinnen.

Zudem ist sie mental nach wie vor in ihrer Gegnerschaft zu Türkis-Blau gefangen. Seit Jahresbeginn jedoch regiert die ÖVP mit den Grünen, und die SPÖ sucht noch immer ihren Standpunkt, von dem aus sie die Regierung aus den Angeln heben will.

Doch Doskozil schlägt aufgrund seines rechten Kurses in Migrations- und Zuwanderungsfragen Kritik, Ablehnung und mitunter sogar Hass aus den eigenen Reihen entgegen. Der linke Flügel würde sich wohl eher abspalten, als eine Burgenlandisierung der SPÖ hinzunehmen. Für Doskozil bleibt die FPÖ eine Koalitionsoption im Land; bleibt er dieser Kombination auch jetzt weiter treu, obwohl er sich seinen Partner aussuchen kann, werden das viele in der SPÖ als Provokation auffassen.

Tatsächlich ist Wien, wo spätestens im Herbst die wichtigsten heimischen Wahlen 2020 anstehen, nicht vergleichbar mit dem flachen Land im äußersten Südosten der Republik; das Burgenland ist sozioökonomisch weitgehend homogen, Wien dagegen völlig heterogen; Linke muss man im Burgenland mit der Lupe suchen, in Wien dominieren sie die SPÖ in den Innenstadtbezirken.

Der SPÖ wird gut daran tun, den Erfolg im Burgenland genau zu analysieren; kopieren kann sie allenfalls, dass die Leute wissen wollen, für was eine Partei steht; aber ein klarer Kurs ist allerdings genau das, was der SPÖ im Bund und teils auch in Wien fehlt. Auf Wiens Bürgermeister Michael Ludwig richten sich nun alle Augen. Er wird zweifellos versuchen, den Wahlkampf wie Doskozil auf sich und seine Stadt zuzuschneiden und darauf hinarbeiten, dass die Bundespolitik keine Rolle spiel. Das wird in Wien allerdings deutlich schwieriger. In Ludwigs Windschatten hat Rendi-Wagner acht Monate Zeit, nach innen wie außen klar zu machen, wohin sie die SPÖ führen will.