Angst vor Verkehrsflut

Im Ort Halbturn, südlich von Kittsee, will die FPÖ den Grenzübergang zu den Stoßzeiten dichtmachen. Das hat Aussicht auf Erfolg. Der schon jetzt gut frequentierte Güterweg ist auf ungarischer Seite von Schlaglöchern gesät. Sollte er renoviert werden, fürchtet FPÖ-Ortschef Manfred Haidinger, dass Halbturn überrollt wird.

Als warnendes Beispiel dient Schattendorf zwischen Sopron und Mattersburg. Der einstige Güterweg ist nach der Renovierung nun zu Stoßzeiten gesperrt worden, um die Verkehrsflut zu kontrollieren.

Einen anderen "Tsunami" ortet der Parteikollege von Haidinger, Christian Weiß: eine Flut ungarischer Billig-Arbeitskräfte. Er selbst hat eine Malerfirma. Früher habe er bei 70 Prozent der Angebote den Zuschlag bekommen, heute bei zehn Prozent. Er selbst beschäftigt auch ungarische Arbeiter, zahle aber österreichische Löhne. Die ungarischen Firmen wären um zwei Drittel billiger. Was nicht sein dürfte, aber "das kontrolliert doch keiner". Und wenn doch, zahle der Arbeiter das Geld hinter der Grenze wieder an die Firma zurück. Weiß erzählt von Firmen, die von Fliesenlegen, Ausmalen, Dachdecken bis hin zum Rasenmähen alles im Paket anbieten würden.

Lohndumping ist tatsächlich ein Problem im Burgenland. Deswegen fordert Niessl die Gemeinden auf, bei öffentlichen Aufträgen den Bestbieter (sprich Burgenländer) und nicht den Billigstbieter (sprich Ungarn) zu beschäftigen. Dann gäbe es aber noch immer das private "Pfuscherparadies", von dem die Wirtschaftskammer spricht. Die Region ist übersichtlich. Weiß kennt wohl jede Baustelle. Warum schwärzt er die Hausherren, die sein Geschäft zerstören, nicht an? "Dann werd ich am Sportplatz ausgegrenzt."

Wo sind die Österreicher?

In Mattersburg, der mit 7000 Einwohnern drittgrößten Stadt, würde der Besitzer des "Peakock"-Pub, Günter Zierling, auf der Stelle heimisches Personal einstellen. "Aber es ist eine Kunst, beim AMS passendes Personal zu finden." Die burgenländische Gastro sei immer schon ungarisch gewesen. Den regen Verkehr sieht er entspannt. "Früher sind wir runter nach Sopron gefahren, zum Einkaufen, Essen, Tanken. Jetzt machen das die Ungarn bei uns." Was ihm mehr Sorge bereitet als subjektive Sicherheitsgefühle, ist das objektive Sterben des Zentrums. "Die Leut’ haben kein Geld mehr und bleiben daheim."

Die Krone lebt

In der 2000-Seelen-Gemeinde Rudersdorf im südlichsten Burgenland braucht der pensionierte Lehrer Peter Sattler keine Kameras, nicht einmal eine Alarmanlage oder ein Sicherheitsschloss. Er lässt das Tor zu seinem Hof auch in der Nacht unversperrt. Ja, ins Lagerhaus sei eingebrochen worden, Traktoren seien verschwunden, aber insgesamt hege man kein großes Misstrauen gegenüber den Ungarn. Der Landesteil jenseits der Grenze sei harmlos. Er fährt seit Jahrzehnten rüber zum gemeinsamen Musizieren.

Auch Sattler beschäftigt das Sterben des öffentlichen Lebens und der Wirtshauskultur in ganz Burgenland mehr als das vor der Wahl getrommelte Thema "Sicherheit". Das Ortsgasthaus mit dem k.u.k.-Namen hätte es fast erwischt als der Besitzer in Ruhestand ging. Doch es fand sich eine Ungarin, die mit ihrem Mann die "Ungarische Krone" rettete.