Sowohl Kölly als auch die FPÖ beteuerten am Montag gegenüber der "Wiener Zeitung", dass das böse Blut aus der Vergangenheit einer Zusammenarbeit aber nicht im Wege stehen würde.

Und die ÖVP? Obwohl auch die ÖVP am Sonntag fünf Prozentpunkte verlor und unter 30 Prozent rutschte, war bei diversen Nachwahltreffen Aufbruchsstimmung zu vernehmen. Tenor: Die machttrunkene SPÖ und ihren Chef aus dem Sessel kippen.

Steindl meinte am Montag, er werde mit allen Parteien reden, also auch mit den Blauen und LBL. Steindl hätte den Vorteil, innerparteilich als Held dazustehen, wenn er das Bündnis schafft und ein Bundesland umfärbt. Das Tabubrecherimage hätte ihm Schüssel bereits abgenommen. Anders Niessl: Der wäre innerhalb der SPÖ der Paria. Denn die Bundespartei hat per Parteitagsbeschluss eine Zusammenarbeit mit der FPÖ verboten. Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann vergisst in keiner Erwähnung der FPÖ oder ihres Parteichefs Heinz Christian Strache den Zusatz "Hetzer".

Zweitens hat die ÖVP und besonders Steindl in einer neuen SPÖ-Partnerschaft nichts zu gewinnen. "Dann haben wir in fünf Jahren steirische Ergebnisse", sagt ein burgenländischer Parteiinsider. "Die Stimmung ist aber: Es muss sich etwas ändern."

Variante 3: Rot-Blau-Gelb

Kölly bringt auch Rot-Blau-Gelb ins Spiel. Das würde der rot-blauen Zusammenarbeit einen bunteren Anstrich geben, argumentiert er. Von der Politik her würde es passen. Kölly hat in seiner Heimatgemeinde umgesetzt, was Tschürtz plakativ forderte: Bürger, die auf die Sicherheit im Ort schauen und nötigenfalls die Polizei informieren. Kölly nennt es "Spaziergänger", Tschürtz nennt es "Gemeindewachkörper". Pikanterweise wurde Kölly 2005 von der FPÖ ausgeschlossen, weil er ein Geheimpapier zwischen Roten und Blauen für die Zeit nach der Landtagswahl ausplauderte. Dabei soll es um lukrative Posten für die Blauen gegangen sein. Niessl stand also schon damals kurz vor dem rot-blauen Tabubruch.

Niessl präferiert aber eine Zweier-Koalition und auch ein FPÖ-Sprecher meint zu Rot-Blau-Gelb: "Ohne mit den Gremien gesprochen zu haben: Ich schließe das eher aus."

Variante 4: Rot-Schwarz

Die Sicherheitsvariante, der steirische und österreichische Weg. Macht die ÖVP doch wieder den Juniorpartner der SPÖ, wird sie sich das aber teuer abkaufen lassen und auf einen ganz neuen Stil pochen. Treibt sie den Preis zu hoch, kommt für Niessl Variante 1 ins Spiel. Dann hat Niessl aber nicht Steindl als Hauptfeind, sondern seinen Parteichef Werner Faymann und Parteigenossen, Wiens Bürgermeister Michael Häupl. Der liefert sich im Oktober ein Duell um Wien mit der FPÖ und würde sich für eine salonfähige FPÖ im Süden sehr bedanken.