Klagenfurt. Der Befund, wonach in Kärnten die Sonne vom Himmel gefallen ist, lässt sich eine knappe Dekade später nicht bestätigen: Ein blauer Himmel (immerhin) strahlt über der Gedenkstätte für Jörg Haider an dessen Unfallort in der Nähe von Klagenfurt. Ansonsten scheint man dem einstigen Landeshauptmann von Kärnten die ewige Ruhe zu gönnen: Die frühere Pilgerstätte seiner Fans wirkt verwaist. Einst hingen hier Transparente, die das frühe Ableben des Landesvaters auf Raketenangriffe sowie den Mossad und weniger auf Alkoholisierung und überhöhte Geschwindigkeit zurückführten. Heute sieht man nur noch vereinzelt einige Kerzen, die meisten davon seit längerer Zeit erloschen.

Immerhin sorgt der Wahlkampf für kleine Farbtupfer in der Tristesse: Mit kleinem Respektabstand zum Marterl haben die Freiheitlichen zwei Wahlplakate aufgebaut. Am Grundstück hinter der Gedenkstätte macht hingegen eine Schneemann-Familie offensichtlich Stimmung für die Sozialdemokraten. Ob SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher am Ende doch recht hatte mit seiner Annahme, dass Haider heute rot wählen würde? Gerhard Dörfler war jedenfalls der Mann, der Haider 2008 nach dessen Unfalltod im Amt nachfolgte und sich neben der genannten Gedenkstätte auch für eine Jörg-Haider-Brücke über die Drau einsetzte.

Keine Flüchtlinge sorgen
für Gesprächsstoff

Hinter dem Haider-Denkmal stehen SPÖ-Schneemänner.
Hinter dem Haider-Denkmal stehen SPÖ-Schneemänner.

Um Dörfler mag es still geworden sein, doch in seiner Heimatgemeinde Deutsch-Griffen hat das Erbe der blauen (beziehungsweise orangen) Regierungsarbeit Früchte getragen. Nirgendwo sonst in Österreich erzielen die Freiheitlichen bessere Wahlergebnisse, im Jahr 2017 bei der Nationalratswahl 2017 waren es 53,8 Prozent. Der Ort zählt 911 Einwohner, zwei Volksschulklassen, eine Kirche, eine Raiffeisen-Bank - und null Flüchtlinge. Und dennoch dominiert das Ausländer-Thema die Gespräche rund um die Stammtische der vier Dorfgasthäuser. Gegen die Zuwanderung müsse man sich zur Wehr setzen, da die eigene Kultur und vor allem das Sozialsystem in Gefahr seien, hört man dort.

Dass die Hypo-Alpe Adria das Land mit einem Schaden von 12,5 Milliarden Euro knapp in den Ruin getrieben hat, ist hingegen kein Thema. Lieber erinnert man sich an die Legende, wonach der verstorbene Landesvater Haider jedem Kärntner dreimal die Hand geschüttelt hat, und alle Stammtisch-Besucher wissen noch, wo sie "dem Jörg" begegnet sind. Beim Marathon, am Bauernmarkt, an der Raststätte neben der Autobahn. "Der hat sich halt die Zeit genommen und uns zugehört", sind sich die Deutsch-Griffener einig. Dass sich "der Strache" gegen ein Rauchverbot in der Gastronomie einsetzt, finden sie auch gut. Auf den Tischen liegen blaue Feuerzeuge mit dem Aufdruck: "Die soziale Heimatpartei".