Wien/Klagenfurt. In weitgehend trübem Wetter hat sich der Wahlsonntag in Kärnten gestaltet. Die versprochene Sonne ließ auf sich warten, was die Spitzenkandidaten aber nicht daran hinderte, Optimismus bezüglich des Wahlausganges zu versprühen. In den Wahllokalen herrschte bis Mittag durchaus reger Betrieb, die Wahlbeteiligung dürfte insgesamt ähnlich ausfallen wie vor fünf Jahren. Damals hatte sie inklusive Wahlkarten 75,15 Prozent betragen.

Video: Stimmabgaben der Spitzenkandidaten

"Luft nach oben"

Sollte es für Grüne, Team Kärnten und NEOS wie erwartet knapp werden mit dem Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde, fällt die Entscheidung erst mit den Wahlkarten. Keine Probleme damit haben SPÖ, FPÖ und ÖVP. Landeshauptmann Peter Kaiser zeigte sich bei der Stimmabgabe an der Universität Klagenfurt zuversichtlich, er rechne mit 39,9 Prozent der Stimmen, dadurch habe er noch "Luft nach oben". Positiv vermerkte er, dass der Wahlkampf fair und sachlich, ohne Untergriffe abgelaufen sei.

Sein freiheitlicher Konkurrent Gernot Darmann hatte eine Stunde früher beim Gasthof Rösch in Klagenfurt gewählt, er hoffte auf 25 Prozent der Stimmen und meinte, er sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Den prognostizierten blauen Himmel vermisste er allerdings. Praktisch unmittelbar nach Darmann kam Grünen-Frontmann Rolf Holub zur Stimmabgabe ins gleiche Wahllokal. Handschlag gab es keinen, aber man grüßte einander über die Straße. Holub hoffte, dass seine Partei wider die Prognosen doch im Landtag bleiben werde. Man werde sehen, "was draus wird". Grau in grau war es auch in Griffen im Bezirk Völkermarkt, wo ÖVP-Spitzenkandidat Christian Benger seine Stimme abgab. Er sei "sehr entspannt", ließ er wissen, konkrete Prognosen bezüglich des Wahlausganges waren ihm auch am Sonntag nicht zu entlocken.

Ein "gutes Gefühl" 

Schon um 9.30 Uhr hatte Gerhard Köfer vom Team Kärnten in Spittal an der Drau das Wahllokal aufgesucht. Er habe ein "gutes Gefühl", meinte Köfer, dessen Gruppierung aus dem ehemaligen Team Stronach hervorgegangen ist, für das er vor fünf Jahren kandidiert hatte. Noch früher, nämlich schon um 8.00 Uhr, ging NEOS-Spitzenkandidat Markus Unterdorfer-Morgenstern in Seeboden am Millstätter See wählen. Auch er hoffte darauf, dass es für die Pinken zum erstmaligen Einzug ins Landesparlament reichen würde.

 Koalitionsmöglichkeiten

"Drei, vier, fünf oder sechs" Landtagsparteien ist die Frage - hängt davon doch auch ab, welche Koalitionsmöglichkeiten die SPÖ hat. Keine Frage ist, dass SPÖ, FPÖ und ÖVP im Landtag bleiben. Recht gute Chancen geben die Meinungsforscher auch dem Team Kärnten.

4,6 Prozent der 424.121 Wahlberechtigten haben bereits vor neun Tagen gewählt, rund 24.000 Wahlkarten wurden ausgegeben. Am Montag Nachmittag liegt dann das vollständige Endergebnis inklusive Briefwahl- und Wahlkarten-Stimmen vor, die heute noch nicht mitgezählt werden. Erst dann wird endgültig feststehen, ob es die Kleinparteien über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft haben.

Theoretisch ist der Einzug in den Landtag auch über ein Grundmandat möglich. 2013 schafften das Grünen in den Wahlkreisen Klagenfurt mit 14.564 Stimmen (16,5 Prozent) und Villach mit 8.884 Stimmen (12,8 Prozent). Die Chancen, dass sie heute die nötige Stimmenanzahl (fast 9.000 in Klagenfurt, nicht viel weniger in Villach) schaffen, sind allerdings nicht allzu groß - zumal sie Konkurrenz durch ihre ehemalige Landesparteichefin Marion Mitsche haben. Sie tritt mit der Liste Fair an - die es zwar nicht in den Landtag schaffen dürfte, aber den Grünen doch Stimmen abjagen wird.

NEOS kandidieren zum ersten Mal 

Eher möglich ist noch, dass sich Gerhard Köfer ein Grundmandat im Wahlkreis West holt - war er doch früher SPÖ-Bürgermeister von Spittal. Das Team Stronach - mit dem er 2013 in den Landtag einzog - hatte bei einem Ergebnis von landesweit 11,2 Prozent dort wie auch in den Wahlkreisen Villach und Ost je ein Grundmandat. Für ein solches im Wahlkreis West müsste Köfer mit seinem "Team Kärnten" heute mehr als 9.500 Wähler für sich gewinnen.

Die NEOS kandidieren erstmals in Kärnten. In Niederösterreich und in Tirol ist ihnen heuer bereits der Einzug in den Landtag gelungen. In Vorarlberg und Wien zogen sie schon 2014/15 ein. Die Chancen, dass sie heute ihr fünftes Landesparlament erobern, sind allerdings eher gering.

Aber nur wenn die Grünen und Köfer bleiben und die NEOS dazukommen, gibt es wieder - so wie seit 2013 - sechs Landtagsparteien. Denn das BZÖ - heuer mit dem Zusatz "neu" - hat keine Chancen auf den Verbleib. Und drei weitere kleine Parteien - Mitsches Liste Fair, die KPÖ und die Liste Erde - bleiben wohl weit unter der Fünf-Prozent-Hürde.