Klagenfurt. Mit betretenem Schweigen haben die Grünen am Sonntagabend auf die erste Hochrechnung zur Kärntner Landtagswahl reagiert. Spitzenkandidat Rolf Holub wertete das Ergebnis des auf ihn zugeschnittenen Wahlkampfes als "persönliche Niederlage", man werde gleich am Montag in den zuständigen Gremien beraten, wie es weitergehen soll.

"Es ist momentan keine grüne Zeit, wir hatten auch sehr viel Gegenwind", sagte Holub in einer ersten Reaktion. Einerseits habe sich der negative Bundestrend auch in Kärnten fortgesetzt - "aber auch die Sache mit Eva Glawischnig am Freitag war nicht hilfreich", so der Spitzenkandidat. Hinzu kamen auch einige Eigenfehler, merkte der Spitzenkandidat an.

Über seine persönliche Zukunft wollte Holub am Abend noch nicht viel sagen. Er werde weiterhin ein Mitglied der Grünen sein, "aber das wird wohl eher ehrenamtlich, also mit keinem Job verknüpft sein." Er werde es bis auf weiteres "ruhiger angehen".

"Das Ergebnis ist bitter und böse"

 Für Grünen-Bundessprecher Werner Kogler ist der Rausflug aus dem Landtag enttäuschend. "Das Ergebnis ist bitter und böse." Die Gründe dafür liegen für ihn klar auf der Hand. Die Kärntner Grünen hätten ein "uneinheitliches Bild" abgegeben. "Dann geht es nicht gut. Dort, wo die Grünen einig sind, gibt es gute Ergebnisse", zeigte sich Kogler zuversichtlich für die Landtagswahl in Salzburg und der Bürgermeisterwahl in Innsbruck. In Kärnten seien "schwere Fehler passiert und dafür sollte man sich entschuldigen". Es brauche einen Neustart. Der Wechsel der früheren Parteichefin Eva Glawischnig zum Glücksspielkonzern Novomatic war nach Ansicht Koglers nicht hilfreich. "Viel geholfen hat es nicht."

Kern freut sich über einen  "großartigen Tag"

SPÖ-Bundesparteichef Christian Kern erlebte in seiner Kärntner Wahlheimat am Sonntag einen "großartigen Tag". Er freue sich riesig über den "fantastischen Erfolg" von Landeshauptmann Peter Kaiser, "ich kann nur herzlich gratulieren", sagte Kern zur APA. Bundesgeschäftsführer Max Lercher sprach von einem "unbeschreiblichen" Ergebnis des "sozialdemokratischen Sirs" Kaiser.

Dieser habe eine "unglaubliche Leistung" hingelegt, die Wähler hätten seine gute und solide Arbeit - die spürbaren Aufschwung produziert habe - belohnt, konstatierte Kern. Bemerkenswert für ihn war auch, dass "die Bäume von ÖVP und FPÖ nicht in den Himmel wachsen", während die SPÖ jetzt das vierte Plus in Serie geholt habe.

"Das gibt uns Kraft", stellte Lercher - in der ORF-Diskussionsrunde - für die Bundespartei fest. Ratschläge, wie Kaiser jetzt in Sachen Koalition vorgehen soll, wollte er keine äußern: Die Kärntner Freunde würden "wissen, was sie zu tun haben". Ein Vetorecht gegen eine Koalition mit der FPÖ hätte die Bundespartei aus seiner Sicht nicht, meinte Lercher unter Hinweis auf den Kriterienkatalog, den Kaiser federführend erstellt hat.

 Kurz sieht Erfolg in "traditionell schwierigem Land"ÖVP-Chef Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigte sich mit dem geringen Plus von 1,5 bis zwei Prozentpunkten auf knapp 16 Prozent seiner Partei bei der Landtagswahl in Kärnten zufrieden. Er gratulierte in einer Stellungnahme seinen Parteifreunden "zum Zugewinn an Stimmen und Mandaten im für die ÖVP traditionell schwierigen Bundesland Kärnten".

"Die ÖVP hat seit 2009 knapp zehn Jahre lang immer ein Minus vor dem Wahlergebnis bei Landtagswahlen gehabt. Nach dem Halten der Absoluten in Niederösterreich und dem tollen Erfolg in Tirol gibt es jetzt auch ein Plus in Kärnten. Wir blicken daher optimistisch auf die kommende Landtagswahl in Salzburg am 22. April", so Kurz.

Köstinger: "Haben hart daran gearbeitet zurückzukommen" 

ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger, als Vertreterin der Bundes-ÖVP nach Klagenfurt gekommen, freut sich über das sechste Mandat, das die ÖVP dazugewonnen hat. Den bescheidenen Zuwachs auf 15,3 Prozent laut der ersten Hochrechnung kommentierte sie mit den Worten: "Es war klar, dass wir hart daran gearbeitet haben, zurückzukommen, und jedes Plus zählt."

Köstinger lobte das Wahlkampfteam und den Kärntner Spitzenkandidaten Christian Benger, die sich sehr ins Zeug gelegt hätten. ÖVP-Chef und Bundeskanzler Sebastian Kurz war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Klagenfurt eingetroffen, er war für 18.00 Uhr angekündigt und sollte dann direkt in den Spiegelsaal der Landesregierung kommen.

Trotz des nur geringen Zuwachses zufrieden zeigte sich ÖVP-Spitzenkandidat Christian Benger: "Unser Ziel war es, mehr Stimmen zu bekommen und mehr an Mandaten. So wie es jetzt ausschaut - beides erreicht. Ein freudiger Tag für die Kärntner Volkspartei."

ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer sah trotz des geringen Zugewinns von einem bis zwei Prozentpunkten die Wahlziele erreicht. "Wir wollten stärker werden und wie es aussieht, ist das gelungen." Dass die Volkspartei im Bund, in Niederösterreich und Tirol deutlich besser abgeschnitten hat, sah er nicht als Ende des ÖVP-Siegeszuges. "Der positive Rückenwind hält an, aber Kärnten ist speziell."

Gudenus rät FPÖ zur Zusammenarbeit mit SPÖ

Der FPÖ-Klubchef im Nationalrat, Johann Gudenus, rät den Kärntner Freiheitlichen zur Zusammenarbeit mit der SPÖ. "Die Kärntner Freunde sind bereit mitzuarbeiten, das Land weiterzubringen", sagte er nach der ersten Hochrechnung. Im vorläufigen Ergebnis der Freiheitlichen sieht Gudenus einen "tollen, großen Zuwachs". Darmann solle Landesparteichef bleiben.

"Sechs Prozent, das ist wirklich viel", interpretierte Gudenus die Stimmengewinne der Kärntner Freiheitlichen. Es handle sich um eine Wertschätzung der Wähler, Schritt für Schritt gewinne man wieder Vertrauen in der Bevölkerung. Eine Gratulation vom FPÖ-Klubchef gab es auch für Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser.

Eine rot-blaue Landesregierung gebe es ja schon im Burgenland, schloss er eine mögliche Koalition im Süden nicht aus. Spitzenkandidat Gernot Darmann sitze jedenfalls fest im Sattel, wie Gudenus betonte. In der Arbeit der Bundesregierung sieht er einen positiven Einfluss auf das Kärntner Wahlergebnis: "Ich glaube schon, das ist ein Rückenwind."

Bundes-FPÖ zufrieden

"Wir haben wieder eine Wahl gewonnen und ein sattes Plus eingefahren", sah FPÖ-Generalsekretärin Marlene Svazek ein "schönes Ergebnis". "Die Kärntner FPÖ ist wieder voll da." Die Bevölkerung wünsche sich die Freiheitlichen in der Regierung, interpretierte sie das blaue Ergebnis von 22 bis 23 Prozent als Regierungsauftrag.

Auch Strache wünscht sich blaue Regierungsbeteiligung

Auch FPÖ-Bundesobmann und Vizekanzler Strache wünscht sich eine Regierungsbeteiligung seiner Partei in Kärnten. "Ein sehr guter Erfolg der Kärntner Freiheitlichen ist zu verzeichnen und ein klares Zeichen, dieses Land mitzuregieren." Die FPÖ-Kärnten freue sich auf Gespräche auf Augenhöhe zum Wohle Kärntens und seiner Bürger, so Strache. "Erfreut" zeigte er sich über das Ausscheiden der Grünen aus dem Landtag. "Deutlich ist zu erkennen, dass die Grünen mit ihrer Zwangs- und Verbotspolitik in Österreich abgewählt wurden und werden."

Köfer jubelt über "großartigen Erfolg"

"Team Kärnten"-Spitzenkandidat Gerhard Köfer hat das Ergebnis seiner Gruppierung angesichts der Hochrechnungen einen "großartigen Erfolg" genannt. Der Einzug ins Landesparlament ist wohl geglückt. "Man hat uns alle Hürden, die es gibt, vorgelegt." Jetzt werde man schauen, wie es weiter geht. "Ich kann mir alles vorstellen, in beide Richtungen. Ich habe keine Präferenzen nach links oder rechts."

Nicht geschafft haben es die NEOS und "Mein Südkärnten - Moja juzna koroska", die gemeinsam in einer Wahlplattform angetreten waren, mit zwei bis drei Prozent. Spitzenkandidat Markus Unterdorfer-Morgenstern: "Wir haben vor zwei Monaten null Prozent gehabt, jetzt haben wir 7.000 Stimmen." Er sei enttäuscht und übernehme die Verantwortung, das Ende für die NEOS in Kärnten bedeute das aber nicht. "Wir haben so viel in dieser kurzen Zeit geschafft. Das zarte Pflänzchen muss man noch ordentlich gießen, aber auf keinen Fall ausreißen." NEOS-Generalsekretär Nick Donig meinte, dass es "ein Fehler gewesen wäre, nicht anzutreten". Rückschläge gehören zum "Wachstumsprozess" dazu. Wachsen tue weh, so Donig.

Gabriel Hribar von "Mein Südkärnten - Moja juzna koroska" sagte: "Das Wahlergebnis ist für uns ein schwerer Schock." Eine Kandidatur alleine wäre nicht klüger gewesen. "Solche Unterfangen sind aussichtslos." Man habe auch im Wahlkampf gesehen, dass es große Gemeinsamkeiten mit den NEOS gibt.