• vom 05.03.2018, 18:10 Uhr

Wahlen

Update: 06.03.2018, 15:39 Uhr

Kärnten-Wahl

Der letzte Kaiser




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (18)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Jan Michael Marchart

  • Mit Peter Kaiser ist ein unglamouröser Politiker zu einer gewichtigen Stimme in der Bundes-SPÖ aufgestiegen.



Wien. Muss ein Politiker ein Schreihals sein? Ein Volkstribun? Oder klischeehaft eitel? Nein, meinen die Kärntner. Ausgerechnet, könnte man ergänzen. Staubtrocken verteidigte der rote Landeshauptmann Peter Kaiser Platz eins im schuldengeplagten Kärnten: 10,7 Prozentpunkte plus, die Absolute nur knapp verpasst, ein großer Abstand auf den Angstgegner, die Freiheitlichen. Das klingt nach einer Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit.

Kaiser passt nicht in die Gegenwart. Er sei ruhig und bescheiden, sagen Parteifreunde. Und wahrlich kein Volkstribun. Der prononcierte Linke gleiche einem Antipolitiker neben der gegenwärtigen Politik der Slimfitanzüge.

Manche Genossen beschreiben ihn gar als Langweiler. Aber nicht boshaft. Er bleibe gerade deshalb Landeshauptmann, weil sich Kaiser so wohltuend von den Schlawinern der einstigen Buberlpartie unterscheide, in der Sozialpolitik als feudales Event verstanden wurde. Obwohl Kaiser nach dem Hypo-Chaos vor allem eines musste: sparen. Das ist nicht leicht für einen Roten. Nach der großen Party der Haider-Jahre scheint in Kärnten aber eine Sehnsucht nach Ruhe eingekehrt zu sein. Und Wahlerfolge gehören offenbar doch nicht nur schreienden Populisten.

Das Ergebnis in Kärnten tangiert auch den roten Parteichef Christian Kern und dessen Zukunft als Vorsitzender der Bundesgenossen, die in der Opposition noch sehr kleinlaut wirken. Kern steht zwar weiterhin im Zentrum, hat aber spätestens seit dem Ende seiner Kanzlerschaft keine Hausmacht mehr in der Partei. Und die roten Machtverhältnisse verschieben sich gerade.

Kaiser ist für Kern ein wichtiger Verbündeter. Er war einer der Kanzlermacher Kerns und gilt als einer der wenigen verbliebenen Linken unter den roten Landespolitikern. In der Vergangenheit genoss Kaiser vielleicht auch deshalb das Vertrauen Kerns, der ihn mit eminenten Projekten wie dem Wertekompass betraute, der die Frage klären sollte, wie es die SPÖ mit der FPÖ halten solle. Mehr einflussreiche Unterstützung für Kern gibt es im Westen nicht, die roten Landesparteien haben dort noch nie eine große Rolle gespielt.

Ein neuer Spieler
im roten Universum

Weiter im Osten bekam Kern bisher mehr Gegen- als Rückenwind. Dort ist aber mit dem innerhalb der Partei streitbaren Wiener Parteivorsitzenden Michael Ludwig ein neuer Entscheider im roten Universum aufgetaucht. Ludwig hat sich in der Wiener SPÖ vom Linken zum Realo gewandelt. Was so viel heißt, dass er für viele Genossen im Rathaus in der heiklen Frage der Zuwanderung nach rechts gerückt ist. Das war aber mehr ein Deutungsangriff aus dem Lager seiner Widersacher. Diese Zuschreibung könnte sich nun zum Bumerang für die Wiener Genossen entwickeln.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-05 18:14:39
Letzte Änderung am 2018-03-06 15:39:35


Wahlergebnisse Kärnten


Detailergebnisse im Wahlarchiv
 Zu den Ergebnissen der Kärtner Landtagswahl



Werbung




Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Manner geht gegen FPÖ Salzburg vor
  2. Bundespräsident Fischer: "Wahlwiederholung soll im September stattfinden"
  3. Bundespräsident erst knapp vor Weihnachten ganz fix
  4. Video: Kern froh über Wahlausgang
  5. Kurzzeitgedächtnis
Meistkommentiert
  1. "Meine Diplomarbeit wird missbraucht"
  2. Kurzzeitgedächtnis
  3. "Das ist ein starkes rot-weiß-rotes Signal für Europa"
  4. Hofer und Van der Bellen in Stichwahl
  5. Häupl über Kurz: "So etwas Dummes noch nie gehört"


Werbung