St. Pölten/Wien. (pech) Wenn im Frühjahr 2018 der Landtag in Niederösterreich gewählt wird, stehen einander lauter neue Spitzenkandidaten gegenüber. Die ÖVP will mit Johanna Mikl-Leitner, die seit einer Woche als Landeshauptfrau im Amt ist, ihre Führungsrolle verteidigen. Am Freitag wählte die SPÖ ihren neuen Landesparteivorsitzenden. Franz Schnabl (58) löst Matthias Stadler ab. Stadler ist St. Pöltner Bürgermeister und hat seit seiner Übernahme des Landesparteivorsitzes klargestellt, dass er weder in den Landtag gehen noch Spitzenkandidat der SPÖ werden würde. Er fühlt sich in der Rolle des Bürgermeisters der Landeshauptstadt sehr wohl. Schnabl soll beim Landesparteitag am 24. Juni gewählt werden.

Schnabl will SPÖ zu bestimmender Kraft machen

Seinen Wohnsitz hat der gebürtige Niederösterreicher - er stammt aus Neunkirchen -, der allerdings bisher im Burgenland gelebt hat, für seine "dritte Laufbahn" bereits nach St. Pölten verlegt. Den Managerjob bei Magna, den er nach seinem Abgang von der Polizei 2003 angenommen hat, will er aber erst nach seiner Wahl beim Parteitag beenden. Von der 100-prozentigen Zustimmung sowohl im Parteipräsidium als auch im Vorstand zeigte sich der designierte Neo-Parteichef "überwältigt", sagte er in einer anschließenden Pressekonferenz gemeinsam mit Bundeskanzler Christian Kern. Er halte es für "möglich, nach der Ära Pröll einen Aufbruch in Niederösterreich zu erreichen", betonte Schnabl. Niederösterreich müsse aus seiner Sicht freilich "nicht schneller, sondern vor allem besser werden", sagte er in Anspielung an Mikl-Leitners Vorhaben, Niederösterreich zum schnellsten Bundesland machen zu wollen.

Schnabl will die SPÖ in Niederösterreich als "bestimmende Kraft" etablieren. Das wird kein leichtes Unterfangen, schließlich hat die Sozialdemokratie unter Sepp Leitner 2013 nur 21,6 Prozent erreicht - das schlechteste Ergebnis der Zweiten Republik im Land. Die Menschen im Land wollten, dass es nach vorne gehe, und hätten "Streit satt". Er werde "sehr sachlich" an die Aufgabenstellung herangehen, aber "nie ohne den notwendigen Respekt". Der designierte Parteichef kündigte nicht zuletzt an, dass er ein Fairnessabkommen für die Wahl zwischen allen Parteien wolle, wo auch zu überlegen sei, wie mit Hetze, Verleumdung oder Ängste- Schüren umgegangen werde.

Kern: "Es geht um etwas - landes- und bundespolitisch"

Kern bezeichnete Schnabl als einen "exzellenten Kandidaten". Niederösterreich sei für die SPÖ ein "Schlüsselbundesland" und das mitgliederstärkste Bundesland. Das Potenzial an Stimmen für eine bundesweite Wahl sei besonders hoch. "Es geht um etwas - landes- und bundespolitisch", sagte Kern, der allerdings auch die Stärken des Gegners realistisch einschätzt: "Die ÖVP in Niederösterreich ist ein starker Gegner, ich kenne Johanna Mikl-Leitner aus der Zeit als Innenministerin." Die Karten seien "neu gemischt, möge der Bessere gewinnen", sagte Kern.

Mikl-Leitner betonte am Freitag neuerlich, dass sie die Hand zur Zusammenarbeit an alle Parteien ausstrecke. Ob und wie sie die 50,8 Prozent, die Pröll zuletzt erreicht hat, überspringen kann, wollte sie jetzt noch nicht sagen: "Ein Schritt nach dem anderen." Jetzt stehe einmal die Arbeit im Vordergrund.

Neues Wahlrecht für Zweitwohnbesitzer

Geht es nach der ÖVP, wird es bei der nächsten Landtagswahl Änderungen im Wahlrecht für die Zweitwohnbesitzer geben. Bisher durften in Niederösterreich alle Nebenwohnbesitzer wählen. Die ÖVP möchte nun eine Regelung ähnlich jener im Burgenland. Dort dürfen Nebenwohnbesitzer wählen, wenn sie nachweisen, dass ihr Wohnsitz den "wirtschaftlichen, beruflichen, familiären oder gesellschaftlichen Mittelpunkt" darstellt. Zwei der vier Kriterien müssen erfüllt werden.

Die Neos, die erstmals in Niederösterreich antreten wollen, sind noch auf Kandidatensuche. Bis Freitag konnten sich wahlberechtigte Niederösterreicher online bewerben. Bei einer Mitgliederversammlung am 10. Juni soll die Liste fixiert werden.

Die FPÖ geht mit ihrem Landesparteiobmann Walter Rosenkranz als Spitzenkandidat ins Rennen. Er startet bei 8,3 Prozent, die damals Barbara Rosenkranz, die mit ihm nicht verwandt ist, eingefahren hat. Seine Ziele sind der Wiedereinzug in die Landesregierung und das beste Ergebnis der FPÖ im Land - dazu muss er die 1998 erreichten 16 Prozent zumindest erreichen.

Für die Grünen wird Klubobfrau und Landessprecherin Helga Krismer erstmals an der Spitze einer Landtagswahl stehen. Sie geht von einem Ergebnis von 8,1 Prozent im Jahr 2013 aus, das Madeleine Petrovic erreicht hatte.