Scheitern jedoch Grüne und Neos beide an der Vier-Prozent-Hürde (zweites Szenario), dann könnte bereits ein Stimmenanteil von 46 oder sogar 45 Prozent für die Absolute der ÖVP genügen, sagt Filzmaier. Denn dann müssten die Mandate lediglich unter den drei Großparteien aufgeteilt werden. Tritt das dritte Szenario ein und kommt eine der zwei kleineren Parteien in den Landtag, "liegt die Wahrscheinlichkeit der Absoluten irgendwo dazwischen".

Vor allem der Verbleib der Grünen im Landtag steht auf der Kippe - und das nicht erst seit der Nationalratswahl 2017, bei der es die Grünen auf Bundesebene nicht mehr ins Parlament schafften. Die Grünen hatten es in Niederösterreich immer schon schwer, speziell auf dem Land. Die Grünwähler gingen zwar eher strategisch vor, so Filzmaier, weshalb Bundes- und Landesebene nicht unbedingt vergleichbar seien - bei der Nationalratswahl hätten viele aus diesem Grund SPÖ gewählt. In Niederösterreich fehlten den Grünen aber grundsätzlich eine durchgängige Struktur und seit dem Ausscheiden von Klubchefin Madeleine Petrovic 2013 das imageverleihende Gesicht.

Aber auch die Neos führen bei ihrem Erstantritt in Niederösterreich einen Überlebenskampf, der sich vor allem auf die ländlichen Regionen konzentriert. In Wien-Nähe könnten die Neos von Zweitwohnsitzern profitieren, sagt Filzmaier. Etwa 400.000 Wahlberechtigte leben nur bis zu 20 Minuten von Wien entfernt.

Vom Team Stronach zur FPÖ

Dass das Team Stronach nicht mehr antritt, spiele vor allem der FPÖ in die Hände. Einerseits aufgrund der Themen wie Sicherheit, andererseits hafte der FPÖ noch das Image der Oppositionspartei an, sagt Filzmaier. Die ÖVP könnte ebenfalls von einem Teil der ehemaligen Team-Stronach-Wähler profitieren - und zwar auch indirekt: Viele waren Protestwähler und könnten nun in die Gruppe der Nichtwähler wechseln, was die Chance, die Absolute zu erreichen, hebt.

Die stärksten Parteien werden jedenfalls gemäß ihrer Stimmenanteile auf alle Fälle in der Landesregierung vertreten sein. Denn in Niederösterreich ist genauso wie in Oberösterreich eine Proporzregierung vorgesehen, bei der ab einer gewissen Größe im gewählten Landtag (in Niederösterreich zehn Prozent) eine Partei automatisch in der Regierung vertreten ist. Freie Koalitionsbildungen sind dadurch nicht möglich - in Niederösterreich gibt es jedoch ein freiwilliges Arbeitsübereinkommen mit der SPÖ. Das System war früher in jedem Bundesland bis auf Vorarlberg gängig, ist aber zunehmend umstritten. Zuletzt haben 2015 das Burgenland und die Steiermark auf freie Koalition umgestellt.