FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer fühlt sich in der Affäre um das Liederbuch seiner Burschenschaft nicht verantwortlich. - © apa/Robert Jäger
FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer fühlt sich in der Affäre um das Liederbuch seiner Burschenschaft nicht verantwortlich. - © apa/Robert Jäger

Wien. Die NS-Liederbuch-Affäre des blauen Spitzenkandidaten Udo Landbauer tat dem prophezeiten Wahlerfolg der Freiheitlichen in Niederösterreich keinen Abbruch. Das ausgegebene Ziel, das historisch beste Ergebnis der Ära Haider aus dem Jahr 1998 (16,09 Prozent) zu übertrumpfen und sich zu verdoppeln, schaffte die FPÖ zwar nicht ganz. Aber künftig werden doppelt so viele Abgeordnete - nämlich acht - im Landtag sitzen. Mit einem Plus von 6,6 Prozentpunkten verzeichnen die Blauen in Niederösterreich einen Wahlerfolg und bleiben mit 15 Prozent auf Platz drei.

Dass es Zugewinne geben würde, war absehbar, allein schon, weil das implodierte Team Stronach nicht mehr antrat und rund zehn Prozent der Stimmen frei wurden, die 2013 zu großen Teilen von den Freiheitlichen abgesprungen waren. Damals verzeichneten sie mit 8,2 Prozent auch ihren Tiefpunkt in Niederösterreich.

Der Wahlerfolg wird aber überdeckt von der Liederbuchaffäre um Landbauer und seine Burschenschaft Germania, die einen themenlosen Wahlkampf noch gehörig aufgemischt hatte. Und eine Frage offen lässt: Welche Konsequenzen muss er daraus ziehen?

Distanz zu Landbauer

Landbauer sagte zur Causa, dass es gegen ihn kein Ermittlungsverfahren gibt. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen vier Personen. Namen werden nicht genannt. An einen Rücktritt denkt im blauen Lager niemand. Personalentscheidungen würden sie in den kommenden Tagen treffen. FPÖ-Landesparteiobmann Walter Rosenkranz sprach von einer "intensiven Kampagne", bei der sich "vom Bundespräsidenten" abwärts alles eingemischt hat". Das hätte sich auf das Ergebnis ausgewirkt.

In den vergangenen Tagen wurde es enger für den 31-Jährigen mit persischen Wurzeln. Bundespräsident Alexander Van der Bellen sagte am Samstag, dass sich Landbauer durch die Naziliederaffäre seiner Burschenschaft als Politiker "disqualifiziert" habe. Trete Landbauer nicht zurück, habe "die FPÖ ein Problem", so Van der Bellen ob seines Staatsamtes überraschend deutlich zu Ö1. Im Gegensatz zu Kanzler Sebastian Kurz beginnt die rote Linie für Van der Bellen nicht beim Strafrecht, sondern davor.

Landbauer fiel aber nicht nur diesmal mit seinem Hang zum völkischen Liedgut auf. So unterstützte er 2010 die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als völkisch-fundamentalistisch bewertete und 2011 wieder aufgelöste Organisation "Junge Patrioten" und bewarb deren "Liederbüchlein für unterwegs", das ebenfalls NS-Lieder enthält. Damals war Landbauer Spitzenfunktionär der Freiheitlichen Jugend. In einer ORF-Wahldiskussion am 21. Jänner verteidigte er dieses Liederbuch. "Das sind Volkslieder, wo ich auch meine, das ist ein Stück Tradition", sagte er. "Das sollen auch unsere Jungen wieder lernen."