St. Pölten. Die Niederösterreicher haben Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit knapp 50 Prozent der Stimmen zur mächtigsten Landeshauptfrau gemacht. Damit ausgestattet, ist sie auch eine der wichtigsten Playerinnen in der nunmehr türkisen Volkspartei von Sebastian Kurz. Mikl-Leitner selbst spricht von einem "wunderschönen, überwältigenden Ergebnis" und fühlt sich in ihrem Kurs des Miteinanders bestätigt.

Mikl-Leitner schafft das Unwahrscheinliche

Tatsächlich ist der 53-jährigen gebürtigen Weinviertlerin, die mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Klosterneuburg lebt, eine mittlere Sensation gelungen. Eigentlich gelten absolute Mehrheiten als ein Relikt vergangener Jahrzehnte. Einst gab es eine solche fast in jedem Bundesland, doch seit die Wiener SPÖ die ihre 2010 eingebüßt hatte, war Niederösterreich der letzte Sonderfall. Und mit dem Wechsel von Erwin Pröll zu Mikl-Leitner 2017 galt als ausgemacht, dass auch dieser demnächst der Vergangenheit angehören würde.

Das erwies sich als Fehlschluss. Mikl-Leitner, die einst unter Pröll das politische Handwerk lernte und dann später als Innenministerion ein eigenes politisches Profil entwickelte, zeigte nun, dass Wahlergebnisse an die 50 Prozent auch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch möglich sind. Jedenfalls in Niederösterreich. Geholfen hat ziemlich sicher auch, dass die erste Frau an der Spitze des Landes im persönlichen Umgang als herzlich, offen und unkompliziert gilt. Diese Volksnähe kam ihr im ersten Wahlkampf nach Pröll zweifellos zugute.

Dabei hatte Mikl-Leitner die absolute Mehrheit nie als Wahlziel ausgegeben, sie wollte sich - ganz Understatement - an den stärksten amtierenden Landeshauptleuten - ÖVP-Kollege Markus Wallner in Vorarlberg mit 41,8 Prozent beziehungsweise Hans Niessls SPÖ im Burgenland mit 41,9 Prozent - orientieren. Allerdings wären 42 Prozent für die erfolgsverwöhnte niederösterreichische ÖVP ein schwerer Verlust gewesen. Das - wohl auch taktisch motivierte - Tiefstapeln hat sich ausgezahlt. Der Maschinenraum der nahezu perfekt organisierten ÖVP-Strukturen hat wie am Schürchen funktioniert. Geholfen hat sicherlich auch, dass es mit dem Stimmenanteil des Team Stronach von 2013 ein Stimmenpaket von 10 Prozent zu verteilen gab. Der mit drei Wochen außergewöhnlich kurze, ganz auf die Person der Landeshauptfrau zugeschnittene und an Themen arme Wahlkampf hat wohl eher auch nicht geschadet.