St. Pölten. Dort, wo es Gewinner gibt, gibt es normalerweise auch Verlierer. Normalerweise. Bei der niederösterreichischen Landtagswahl am Sonntag war es anders. Nach dieser gibt es fast ausschließlich Gewinner.

Die ÖVP hielt mit 49,6 Prozent die Mandats-Absolute (29 Mandate), die SPÖ gewann 2,3 Prozentpunkte dazu und erreichte 23,9 Prozent (13 Mandate). Die FPÖ verdoppelte mit 14,8 Prozent der Stimmen die Anzahl ihrer Mandate von vier auf acht und stellt künftig einen Landesrat. Der Verlust bei den Grünen hielt sich mit rund 1,7 Prozentpunkten in Grenzen, mit 6,4 Prozent und drei Mandaten blieben sie klar im Landtag. Und die Neos zogen mit 5,2 Prozent bei ihrem ersten Antritt gleich mit drei Mandaten ein.

Grün-pinke Wechselwähler

Hochburgen der Parteien - © WZ-Grafik, APA
Hochburgen der Parteien - © WZ-Grafik, APA

Betrachtet man das Wahlergebnis im Detail, gibt es aber freilich schon einzelne Bezirke und Gemeinden, in denen Parteien gravierende Verluste oder Gewinne verzeichneten. So zum Beispiel im Speckgürtel Wiens. Vor allem die Gemeinden der Bezirke Mödling und Korneuburg fallen durch extrem hohe Stimmenanteile der Neos auf - offenbar auf Kosten der Grünen, die genau hier die meisten Stimmen verloren. Den höchsten Verlust gab es in Laxenburg mit minus 6,4 Prozentpunkten, gefolgt von Hinterbrühl, Bisamberg, Korneuburg, Gießhübl und Maria Enzersdorf. Vice versa erreichten die Neos in Hinterbrühl den höchsten Stimmenanteil mit 15,2 Prozent. Knapp dahinter liegen Gießhübl, Maria Enzersdorf und Bisamberg.

Dass sich die Situation hier gedreht hat, liegt laut Politikwissenschafter Peter Filzmaier am Wesen der bürgerlich-liberalen Wähler an sich. "Viele von ihnen verstehen sich als Wechselwähler", sagt Filzmaier zur "Wiener Zeitung", "die entweder grün oder Neos wählen." Für welche Partei sie sich schließlich entscheiden, hänge stark von den jeweiligen Themen ab. Den klassischen Stammwähler gebe es grundsätzlich fast nur noch unter den über 60-Jährigen.

Zudem habe der Wegfall des Team Stronach den Neos geholfen, ergänzt Politikberater Thomas Hofer. Beide seien mit den Stichworten Kontrolle und Seriosität in den jeweiligen Wahlkampf zur Landtagswahl (2013: Team Stronach, 2018: Neos) gegangen.

Das Territorium von Grünen und Neos ist jedenfalls Wiens Speckgürtel. Durch seine Stadtnähe funktioniert er ähnlich wie Wien - und anders als der Rest Österreichs. Die Grünen kamen in sieben Gemeinden im Wiener Umland auf mehr als 15 Prozent, nach Eichgraben unter anderem auch in St. Andrä-Wördern (Bezirk Tulln). Die Neos kamen in zehn Gemeinden im Wiener Umland, darunter auch in Klosterneuburg, auf mehr als zehn Prozent.