Die ÖVP-Hochburgen lagen indes im Westen in Richtung Oberösterreich. Dort, "wo die Mehrheit der Meinung ist, dass die Entwicklung des Landes positiv ist", sagt Filzmaier. "Warum sollten sie einen Wechsel wollen?" Mit 81,04 Prozent erzielte die ÖVP in Japons (Bezirk Horn) ihr bestes Ergebnis.

Auf der anderen Seite, im Osten und im Südosten Niederösterreichs, aber auch im nördlichsten Waldviertel waren wiederum SPÖ und FPÖ besonders stark. In Ebenfurth (Bezirk Wiener Neustadt-Land) und Klein-Neusiedl (Bezirk Bruck an der Leitha) hielt die SPÖ die absolute Mehrheit, außerdem in Bärnkopf (Bezirk Zwettl), das im Waldviertel liegt. Hier erreichte sie ihr Top-Resultat mit 51,4 Prozent.

Rot-blaue Arbeitersiedlungen

Warum sich SPÖ und FPÖ vor allem den nordwestlichen Zipfel und den Osten aufteilen, liegt laut Filzmaier an der Arbeitsmarktsituation. "Im Osten sind die klassischen Arbeitervororte, die früher alle rot waren, und wo jetzt die FPÖ immer stärker wird", sagt er. Im Waldviertel seien es eher die Protestwähler, die zur FPÖ wechselten. In einzelnen Regionen sehen sie ihre Zukunftschancen schwinden, zum Beispiel durch die träge Entwicklung der Infrastruktur. Sie sind enttäuscht und wechseln die Partei.

Die FPÖ gewann bei der Landtagswahl mit 6,6 Prozentpunkten am meisten dazu. In sechs Gemeinden lag sie über 25 Prozent. Im Detail betrachtet verzeichnete sie aber auch Verluste - allerdings in nur zwei Gemeinden, Andlersdorf (minus 2,4) und Pernegg (minus 0,04). Franz Huber, Bürgermeister von Pernegg, führt das unter anderem auf die guten Ergebnisse der FPÖ bei den vergangenen Wahlen zurück. "Die FPÖ hatte junge, attraktive, ambitionierte Kandidaten und hat daher stark zugelegt", sagt er. Noch immer liegt sie hier mit 12,7 Prozent an zweiter Stelle hinter der ÖVP (72,3 Prozent).

Entscheidende Kandidaten

Das "Strohfeuer", wie Huber es nennt, sei aber wieder abgeflacht. Warum? Das Thema Flüchtlinge etwa spiele zwar auf Bundesebene eine Rolle - in Pernegg gebe es aber keinen einzigen Flüchtling.

Ihr bestes Ergebnis erreichte die FPÖ in Blindenmarkt im Bezirk Melk mit 34 Prozent. Nur zwei Kilometer weiter im Nachbarort St. Georgen am Ybbsfelde, aber bereits zum Bezirk Amstetten zählend, kamen die Freiheitlichen auf nicht einmal die Hälfte dieses Wertes. Ein Grund für das starke Abschneiden in Blindenmarkt liegt wohl in der Person von Spitzenkandidat Martin Huber, einem von bisher vier Landtagsabgeordneten der FPÖ.

Dieser Effekt war auch in Wiener Neustadt und Umgebung (Udo Landbauer) sowie im gesamten Bezirk Waidhofen an der Thaya zu vernehmen, der Heimat von FPÖ-Klubchef Gottfried Waldhäusl, der in Waidhofen Vizebürgermeister ist. Auffallend ist auch, dass hier, im oberen Waldviertel, die Zahl der Wahlberechtigten seit 2013 um fast vier Prozent zurückgegangen ist, ebenso im Bezirk Neunkirchen im südlichen Niederösterreich. Die Zuwächse der FPÖ fielen da wie dort mit einem Plus von 9,7 beziehungsweise 8,5 Prozentpunkten besonders kräftig aus.