Robert Altschach von der ÖVP ist Bürgermeister in Waidhofen an der Thaya, einer Region, die stark vom Phänomen der Abwanderung betroffen ist. In den letzten Wochen vor der Wahl hatte die FPÖ ein älteres, aber sehr emotional besetztes Thema im gesamten Bezirk erneut aufgebracht: die Schließung der Geburtenstation in der Landesklinik in Waidhofen vor zwei Jahren. Die Zahl der Geburten war rückläufig, irgendwann war sie unter eine pro Tag gefallen, weshalb die Station schloss und umgebaut wurde. In einer Region, die seit Jahren Abwanderung erlebt, ist es naheliegend, dass so eine Entscheidung zu einem Symbol wird.

Absolute dank Zweitwohnsitzern

Der Bürgermeister wehrt sich aber gegen Darstellungen einer siechenden Region. "Dass hier alles zusperrt, ist kein Thema. Es werden auch keine Schulen geschlossen. Und das Postamt ist weg, weil es nicht mehr angenommen wurde", sagt Altschach. Die FPÖ würde ständig Schreckensszenarien wälzen, alles schlechtreden, von enormer Kriminalität und Ausländerproblematik erzählen. "Die Wahrheit ist", so Altschach, "dass wir keine 200 Asylwerber haben, das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen in Waidhofen liegt über dem Schnitt im Waldviertel, wir haben wenige Arbeitslose und eine niedrige Kriminalität."

Dass Landeshauptfrau und ÖVP-Spitzenkandidatin Johanna Mikl-Leitner am Sonntag mit 49,6 Prozent die Mandats-Absolute halten konnte, verdanke sie jedenfalls vor allem den bei Landtagswahlen wahlberechtigten Zweitwohnsitzern, sagte Sora-Experte Günther Ogris. Die Landtagswahl brachte in Niederösterreich teils andere Ergebnisse als die Nationalratswahl: Die ÖVP schnitt wesentlich besser ab als im Oktober 2017, ebenso die Grünen, während die FPÖ jetzt viel schwächer war. Die ÖVP konnte zwar Wähler aller Parteien zu sich holen, in Summe hatte sie fast 66.000 Stimmen mehr als im Oktober - den größten Brocken machten aber laut Ogris 36.000 Personen aus, die bei der Nationalratswahl nicht im Lande wahlberechtigt waren.