Es gehe um einen "inhaltlichen Fokus" samt glaubwürdigem Auftreten: "Das Fundament ist da." Der ehemalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer und jetztige steirische Nationalratsabgeordnete Max Lercher wettert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" nicht über das Abschneiden der SPÖ am Sonntag, wo die SPÖ in Oberösterreich und Graz auf bescheidenem Niveau stagniert, sondern ortet bis hin zur Bundespartei den Auftrag, "mit klarer Kante zu zeigen, wo wir stehen."

"Wir haben überall ein Fundament, um Wahlen zu gewinnen", stellt Lercher fest. Es gehe darum, "gemeinsam Politik zu machen für die ganz normalen Leute", die glaubwürdig vertreten werden müsse. Der Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer, der von der designierten SPÖ-Bundesparteivorsitzenden Pamela Rendi-Wagner im Frühberbst 2018 abgelöst und durch Thomas Drozda in der SPÖ-Bundesparteizentrale in der Wiener Löwelstraße ersetzt worden ist, legt ausdrücklich Wert auf die Bezeichnung "ganz normale Leute", weil damit nicht eine Eingrenzung auf die immer wieder angesprochenen "kleinen Leute" erfolgt. Er führt als positives Beispiel dafür die von den SPÖ-dominierten Gewerkschaften geführten Lohnverhandlungen für das breite Spektrum der Beschäftigten an.

Die Lehren aus Graz

Als Steirer verweist er ausdrücklich auf den Sensationserfolg der KPÖ mit Spitzenkandidatin Elke Kahr, die in der Graz die ÖVP mit Langzeitbürgermeister Siegfried Nagl mit nunmehr 29,1 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft in der steirischen  Landeshauptstadt verdrängt hat. "Ich finde schon, dass das ein Fingerzeig ist", erläutert der SPÖ-Parlamentarier. "Die Sozialpolitik ist eine Agenda, die haben wir eh", analysiert er.

Wenn man als Partei Erster werden wolle, habe man zu überlegen, "wie man in die Herzen der Menschen" komme. Inhaltliche Schwerpunkte und deren Umsetzung solle die SPÖ gemeinsam und nicht öffentlich diskutieren. Als Vorbild, wie das funktionieren kann, verweist er auf den Wahlerfolg der SPD, die in Deutschland am Sonntag mit Olaf Scholz stärkste Partei vor der CDU/CSU geworden ist.

Ergebnis in Oberösterreich "in Ordnung"

In Graz, wo die SPÖ nicht einmal auf zehn Prozent der Stimmen gekommen ist, habe sich die KPÖ bei der Gemeinderatswahl als Alternative mit einer an sich sozialdemokratischen Agenda gezeigt. Was das Ergebnis der Landtagswahl in Oberösterreich betrifft, so sei er pragmatisch. Es sei angesichts der Voraussetzungen "in Ordnung", dass es für die SPÖ dort kein weiteres Minus gegeben habe.

Mit Spitzenkandidatin Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer wurde allerdings nach dem Totalabsturz 2015 mit 18,4 Prozent auf Platz drei hinter die FPÖ nur ein leichtes Plus verzeichnet, obwohl man die FPÖ wieder überholen wurde, was misslungen ist. Lercher bekräftigte jedoch: "Das Fundament ist nach wie vor da in Oberösterreich."