Linz. (sir/apa) Die Wahl der Feierzentrale der FPÖ kann man beinahe als Provokation sehen. Die Freiheitlichen mieteten sich im Ars Electronica Center an der Donau ein, einem Stück hochmoderner Architektur, das sich auch als "Museum der Zukunft" versteht. Die Wahl des Ortes steht damit doch im Kontrast zum Programm der FPÖ, das sich vor allem gesellschaftspolitisch überaus konservativ ausnimmt. Von Modernität und Fortschritt ist da wenig zu lesen.

Und doch spielt die Zukunft für die FPÖ eine große Rolle, konkret: die Angst vor der Zukunft. Es ist vor allem die Flüchtlingswelle, die der FPÖ in den vergangenen Wochen massiv in die Karten gespielt hat. In gewisser Weise sind die Freiheitlichen zu Flüchtlingsprofiteuren geworden. Schon in der Steiermark hat Asyl eine große Rolle gespielt, nicht jedoch in dem Ausmaß wie nun in Oberösterreich.

Im Innviertel, das ohnehin schon immer eine blaue Hochburg war, haben die Freiheitlichen in zahlreichen Gemeinden die ÖVP übertrumpft, teilweise mit Erdrutschsiegen. In der Gesamtrechnung reichte es zwar noch für die Volkspartei zu Platz eins, doch die FPÖ rückte schon gefährlich nahe an die ÖVP heran. "Alle haben sich gegen die FPÖ verbündet, alle Parteien. Es ist eine Sternstunde für die Demokratie", sagte Erwin Schreiner, der Landsparteisekretär der FPÖ.

Auch wenn in erster Linie das Flüchtlingsthema Motiv für eine Wahlentscheidung zugunsten der FPÖ war, so stellten die Freiheitlichen in Manfred Haimbuchner auch einen starken Kandidaten. Obwohl erst 37 Jahre alt, war es bereits die zweite Wahl für ihn - und beide Male konnte er die Stimmenanzahl und Mandate quasi verdoppeln.

Haimbuchner will mitreden

In seinem politischen Wirken, vor allem Wahlkampf, offenbart Haimbuchner stets zwei Gesichter. Einerseits verbindlich in Diskussionen, andererseits polternd im Bierzelt. Diese Doppelstrategie kreiden Mitbewerber ihm immer wieder an, doch Haimbuchner selbst stört das nicht, für ihn gehört das schlicht zum politischen Geschäft. Am Sonntag etwa gab er sich regelrecht demütig. Er habe nicht "mit einem derart massiven Wahlsieg" gerechnet, sagte Haimbuchner. Er wolle nun mit allen eine gute Zusammenarbeit und "auf Augenhöhe verhandeln", sagte er.

Parteichef Heinz-Christian Strache hatte trotz des bereits laufenden Wien-Wahlkampfs Haimbuchner kräftig unterstützt und war auch am Sonntag nach Linz gekommen. Strache wertete das Ergebnis als "überwältigenden Vertrauensbeweis" und blickte bereits auf die anstehende Wahl: "In Wien ist alles möglich."

Doch Erfolge am Wahltag sind das eine, will man jedoch mitregieren, ist auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit einer anderen Partei nötig. In Burgenland hat es die FPÖ dank der SPÖ geschafft, in Oberösterreich jedoch positionierte sich Landeschef Josef Pühringer bisher stets gegen die Blauen. Auch diesmal könnte es eine Regierung ohne die FPÖ geben: Schwarz-Rot-Grün.