Linz. Mitunter treten angekündigte Katastrophen nicht nur ein, sie wachsen sich sogar zu einem Alptraum aus. Genau das ist bei den oberösterreichischen Landtagswahlen geschehen. Unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise wandten sich die Wähler scharenweise von den beiden Großparteien ab. Das Ergebnis ist nicht nur das Ende der traditionellen Machtverteilung in Oberösterreich, sondern zugleich ein Warnschuss an die Koalition im Bund - und für die Wiener Gemeinderatswahlen am 11. Oktober. Die Wahlbeteiligung blieb, zum einen aufgrund der gleichzeitig stattfindenden Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen, zum anderen wegen der emotionalisierenden Themenlage, hoch bei 80 Prozent.

Weniger als 42,7 Prozent der Stimmen hatte die Volkspartei im Land ob der Enns nach 1945 nie, am Sonntag rasselte die Partei auf 36 Prozent hinunter - ein Verlust von mehr als 10 Prozentpunkten ergibt eine Niederlage für die Geschichtsbücher. Die SPÖ verlor mit Reinhold Entholzer zwar weniger Prozentpunkte, ihr Debakel ist im Industrieland Nummer eins aber ebenfalls historisch. Dabei waren in der Partei viele überzeugt: Noch schlechter als 2009 - 24,9 Prozent und ein Minus von 13,4 Prozentpunkten - geht eigentlich gar nicht mehr. Sie wurden am gestrigen Wahltag eines Besseren belehrt. Die traditionsreiche Sozialdemokratie, die 1967 sogar stärkste Partei im Land war, fiel unter die 20-Prozent-Marke.

Künftige Koalition offen

Ein breites Lachen zauberte das Wahlergebnis dagegen den Freiheitlichen ins Gesicht. Die FPÖ wurde auf Augenhöhe mit der Volkspartei katapultiert. Vorübergehend war nicht einmal Platz eins für die Partei von Josef Pühringer gewiss, die Schwankungsbreite machte auch die FPÖ als stärkste Kraft rechnerisch möglich. Zwei Wochen vor der Wien-Wahl übertraf die FPÖ in Oberösterreich damit sogar noch ihre hervorragenden Prognosen: Mit 31 Prozent könnte die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Manfred Haimbuchner ihr Ergebnis von 2009 (15,3 Prozent) schließlich fast verdoppeln.

Wie Oberösterreich künftig regiert wird, ist nach diesem Tag offen. Das Sitzverhältnis in der neunköpfigen Landesregierung wird - laut Hochrechnungen von 18 Uhr - künftig ÖVP 4, FPÖ 3, SPÖ 1 und Grüne 1 lauten. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass der Landeshauptmann nicht als Teil der Regierung gerechnet wird, dann würde das Kräfteverhältnis 3:3:2:1 lauten.