Salzburg. Wahlplakate sagen manchmal gar nichts aus. Manchmal verraten sie aber mehr, als den Parteien lieb ist. Im Wahlkampf zur Salzburger Landtagswahl am kommenden Sonntag sind einander Grüne und FPÖ inhaltlich auf ihren Wahlplakaten überraschend nahe gekommen. Beim Sloganpaar "Heimat beschützen" (Grüne) und "Schütz‘ dieses Land" (FPÖ) besteht akute Verwechslungsgefahr. Das kommt bei zwei Parteien, die so gegensätzliche Positionen einnehmen, selten vor.

Während die FPÖ seit jeher mit dem Heimatbegriff arbeitet, entdeckten die Grünen diesen erst mit Alexander Van der Bellens Bundespräsidentenwahlkampf. "Es gibt einen weltoffenen Heimatbegriff, der auch die Umwelt, die Landschaft und auch Zusammenhalt und Vielfalt miteinbezieht. Das zu verknüpfen und als offenen Begriff zu sehen, ist mein Verständnis von Heimat", erklärt die Salzburger Grünen-Chefin Astrid Rössler im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Das Gegensatzpaar Grüne und FPÖ hat seinen Reiz bei dieser Wahl nicht nur aufgrund der Fokussierung auf die Heimat. Aller Voraussicht nach wird sich zwischen diesen Parteien entscheiden, wie die kommende Salzburger Landesregierung aussieht. Sollte die schwarz-grüne Landesregierung diesmal ohne Schützenhilfe keine Mehrheit bekommen, dürfte die FPÖ die besten Karten auf eine Regierungsbeteiligung haben. Die SPÖ wird von vielen Beobachtern aufgrund der Signalwirkung von Schwarz-Rot und Problemen auf der persönlichen Ebene als chancenlos auf einen Regierungseinzug gesehen.

Auf Wahlkampftour in Salzburgs Gebirgsregionen

Interessant ist das grün-blaue Gegensatzpaar auch aufgrund seiner Rolle im ländlichen Raum, der nicht nur in der Bildsprache besonders gerne mit dem Heimatbegriff verknüpft wird. Denn während die Grünen in ihren fünf Jahren in der Landesregierung einen deutlichen Schwerpunkt auf den Naturschutz gelegt haben und mit einem neuen Raumordnungsgesetz die Ortskerne außerhalb der Städte stärken wollen, fährt im ländlichen Raum die FPÖ die Ernte im Sinne von überdurchschnittlichen Wahlergebnissen ein. Würden in Österreich nur die drei Salzburger Gebirgsgaue wählen, hätte Türkis-Blau eine satte Zweidrittelmehrheit und Norbert Hofer wäre Bundespräsident.

Auf Wahlkampftour in Salzburgs Gebirgsregion kommen aber sowohl Rössler als auch FPÖ-Chefin Marlene Svazek gut an. Für die FPÖ ist der Oberpinzgau ein Hoffnungsgebiet. In fast allen Gemeinden schnitt sie bei der Nationalratswahl 2017 überdurchschnittlich ab. In Stuhlfelden waren die Blauen stärkste Partei, in Mittersill, der einzigen Stadt der Region, kamen sie auf knapp 33 Prozent.