Wien. Die ÖVP ist der große Sieger der Landtagswahl in Salzburg. Laut dem vorläufigen Endergebnis kommt die Volkspartei auf 37,8 Prozent - ein Plus von 8,8 Prozentpunkten gegenüber 2013. Die SPÖ erlitt weitere Verluste, blieb aber dennoch knapp vor der FPÖ. Trotz großer Einbußen weiter im Landtag vertreten sind die Grünen, die NEOS schafften erstmals den Einzug. Gescheitert ist die FPS.

Die SPÖ erreichte 20,0 Prozent - ein Minus von 3,8 Prozentpunkten gegenüber dem schon historisch schlechtesten Ergebnis aus dem Jahr 2013. Dennoch blieb die Partei von Walter Steidl knapp vor der FPÖ, die mit einem Plus von 1,8 Prozentpunkten 18,8 Prozent und damit Platz drei erreichte.

Mehr als die Hälfte ihrer Stimmen büßten die Grünen ein: Sie erlitten ein Minus von 10,9 Prozentpunkten und konnten nur mehr 9,3 Prozent der Stimmen für sich gewinnen.

Wählerverhalten nach soziodemographischen Kriterien. - © Peter Hajek
Wählerverhalten nach soziodemographischen Kriterien. - © Peter Hajek

Erstmals im Salzburger Landtag vertreten sind die NEOS. Sie kamen auf 7,3 Prozent.

Gescheitert ist die FPÖ-Abspaltung "Freie Partei Salzburg" von Karl Schnell. Sie kam auf 4,5 Prozent - und verpasste damit die Fünf-Prozent-Hürde für den Landtagseinzug knapp. Ebenfalls nicht im Landtag vertreten ist die Namensliste des ehemaligen Team Stronach-Mannes Hans Mayr, die nur 1,7 Prozent erreichte.

"Großartiger Tag für die ÖVP"

SPÖ und FPÖ lieferten sich am Salzburger Wahlsonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen - und blieben beide unter ihren Erwartungen. Die SPÖ muss sich auf einen weiteren Verlust (4,4 Punkte auf 19,4 Prozent laut Hochrechnung) einstellen, und wird damit den in der Finanzskandalwahl 2013 eingefahrenen historischen Tiefstwert noch unterbieten. Die FPÖ bleibt hinter dem Wahlziel von 20 Prozent. Dies ist vor allem auf die Konkurrenz durch das Salzburger FPÖ-Urgestein Karl Schnell zurückzuführen - der nach dem Zerwürfnis mit der Partei mit seiner eigenen "Freien Partei Salzburg" (FPS) überraschend stark punktete: Mit 4,6 Prozent in der Hochrechnung konnte er noch auf den Einzug in den Landtag hoffen.

Bei der ÖVP-Bundespartei herrschte naturgemäß Freude über die ersten Trends und Hochrechnungen bei der Salzburger Landtagswahl: ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer sah auf ATV einen "großartigen Tag für Wilfried Haslauer und sein Team" und einen "wunderbaren Vertrauensvorschuss der Wähler". Auch sei das Ergebnis eine "schöne Bestätigung" des "neuen Stils" von Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz.

Werner Kogler sprach am Sonntagnachmittag für die Grünen von einer "Enttäuschung" - wenn es dabei bleibe, hoffte Kogler noch auf die Zweistelligkeit. "Ja, es ist enttäuschend." Das letzte Ergebnis sei aber auch "ein Highlight" gewesen. Man werde nun hinschauen, warum es in manchen Bundesländern nicht laufe. Spitzenkandidatin Astrid Rössler habe einen guten Job gemacht, aber: "Es ist grad kein Wind für Grün."

Die Grüne Landessprecherin Maria Buchmayr findet das Ergebnis ihrer Partei zwar "auf den ersten Blick enttäuschend", aber man müsse auch sehen, dass es das zweitbeste in der Geschichte der Salzburger Grünen sei und die Partei beim letzten Urnengang nach dem Finanzskandal überdurchschnittlich gut abgeschnitten habe. Die Salzburger Grünen-Chefin Astrid Rössler hat noch am Wahlabend ihren Rücktritt angeboten. Das könne Buchmayr persönlich verstehen. Aber: "Ich schätze sie sehr." Natürlich würde sie die Grünen gerne in einer Landesregierung sehen, allerdings dürfte sich das nicht ausgehen. Allerdings sah Buchmayr auch Grund zur Freude am Sonntagabend: In Innsbruck werde der Grüne Kandidat Georg Willi in die Stichwahlen kommen.

"Die Richtung stimmt" für FPÖ

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher hatte nach den ersten Prognosen eher nichts zu feiern. Er sah ein lachendes und ein weinendes Auge - man dürfte Platz Zwei halten (was freilich noch nicht fix ist), aber es gebe kein Stimmenplus. Personalfragen würden in der SPÖ in Gremien diskutiert und nicht übers Fernsehen, wollte er sich keine Antwort entlocken lassen, ob es personelle Konsequenzen geben wird. Spitzenkandidat Walter Steidl habe aber die gesamte Partei in Salzburg wieder konsolidiert.

"Die Richtung stimmt", freute sich FPÖ-Klubchef Johann Gudenus über das Plus in Salzburg. "Es gibt Grund zur Freude." Offensichtlich genieße auch die Bundesregierung ein großes Vertrauen, wie man bei allen vier Landtagswahlen heuer gesehen habe.

NEOS-Generalsekretär Nick Donig betonte, man habe das Ziel, in den Landtag einzuziehen, erreicht. Unterm Strich sei es ein "schönes Ergebnis".

Landeshauptmann will mit allen sprechen

Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer hat nach dem Wahlerfolg seiner ÖVP angekündigt, mit allen Landtagsparteien zu sprechen. Binnen acht bis neun Tagen wolle er dann entscheiden, mit wem er dann Regierungsverhandlungen führen werde, kündigte der Wahlsieger im Gespräch mit der APA an.

Ob angesichts der schweren Verluste seines bisherigen Grünen Koalitionspartners schwarz-grün überhaupt noch möglich sei, beantwortete Haslauer nicht. "Ich kommentiere keine Wahlergebnisse von anderen Mitbewerbern." Er werde nun mit allen Landtagsparteien sprechen. "Mein Ziel ist es, in den nächsten acht bis neun Tagen zu einer Entscheidung zu kommen, mit wem wir tatsächlich in Verhandlungen eintreten", so Haslauer.

Auf mögliche Koalitionspartner wollte sich Haslauer nicht festlegen: "Im Lichte des Wahlergebnisses zerbreche ich mir heute nicht den Kopf." Die ÖVP habe angesichts ihres starken Vorsprungs jedenfalls die "eindeutige Führungsposition". Eine mögliche neuerliche Dreierkoalition sieht Haslauer eher skeptisch: "Auch das ist eine Möglichkeit, aber nicht sehr wahrscheinlich."

Schon zuvor hatte Haslauer vor Journalisten den Rückenwind der Bundespolitik gelobt. "Es hat uns geholfen, dass die ÖVP bundesweit angesehen ist." Auch Kanzler Sebastian Kurz habe den Wahlkampf sehr unterstützt: "Der Bundeskanzler wird sehr positiv gesehen in der Bevölkerung."

Peter Hajek: "Gewinner ist die Verlässlichkeit"

Für Meinungsforscher Peter Hajek lässt sich der Erfolg der ÖVP in einem Wort zusammenfassen: Verlässlichkeit. "Dafür steht Wilfried Haslauer, dafür steht die ÖVP. Wie schon in NÖ, Tirol und Kärnten setzt sich der neue Typ des sachlichen Landeshauptmannes durch. Die SPÖ konnte in ihrer Kampagne einen Punkt machen – gegen rechts/gegen Schwarz-Blau. Das reichte aber nicht für eine stärkere Mobilisierung. Die Wahlmotive der SPÖ-Wähler könnten auch aus den 70er Jahren stammen."

Die FPÖ habe für Hajek zwei Assets: Einmal der Dauerbrenner Asyl & Zuwanderung – und Marlene Svazek. "Erstmals stand eine junge Frau an der Spitze der FPÖ Salzburg, was von den Wähler/innen positiv vermerkt wurde", sagt Hajek.

Die Grünen konnten dem Meinungsforscher zufolge mit ihrer Arbeit in der Regierung punkten und hatten mit Astrid Rössler einen "emotionalen Anker für die verbliebenen Grün-Wähler".