Größere parteiinterne Umwälzungen sind bei der ÖVP nicht zu erwarten, sollten sich die bisherigen Prognosen bewahrheiten. Alles andere als ein Wahlsieg von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer wäre eine Überraschung: Umfragen sehen die steirische Volkspartei bei bis zu 34 Prozent. Wenn er nicht Erster werde, trete er zurück, hat Schützenhöfer angekündigt. Eine Niederlage würde auch am Siegesnimbus von Sebastian Kurz kratzen.

Offener scheint das Rennen um die künftige Koalition. Sollten ÖVP und Grüne stark abschneiden und die Neos den Einzug schaffen, könnte die Chance auf eine Dreierkoalition bestehen. Ein Vorbild für den Bund? Oder wird es doch eher Schwarz-Rot oder Schwarz-Blau? "Eine Fortsetzung des ,steirischen Wegs‘, also der alten großen Koalition zwischen Schwarz-Rot, halte ich am wahrscheinlichsten. Andere Varianten sind aber nicht völlig auszuschließen", meint Poier.

Die steirische FPÖ rechnet bereits mit Verlusten, als Wahlziel hat Spitzenkandidat Mario Kunasek "um die 20 Prozent" angegeben. Das wäre ein herber Verlust: Bei der Landtagswahl 2015 kamen die Freiheitlichen noch auf 26,8 Prozent.

Mit personellen Veränderungen an der Spitze rechnet Poier bei der steirischen FPÖ nicht. "Kunasek ist jung und in der steirischen FPÖ unbestritten. Eine Niederlage würde man nicht auf ihn, sondern die allgemeine Situation der Bundespartei zurückführen", sagt Poier.

Ein schlechtes Ergebnis in der Steiermark würde nach der Nationalrats- und Vorarlberger Landtagswahl bereits die dritte schwere Niederlage der Freiheitlichen besiegeln. Das könnte jene Kräfte stärken, die eine Neuaufstellung der FPÖ fordern. Mit dieser soll sich am 8. Jänner eine freiheitliche "Reform-Klausur" befassen.

Die Grünen sind in einer komfortablen Situation: Bei ihnen stellt sich die Frage, wie viel Prozent sie in der Steiermark dazugewinnen werden. Von mageren 6,7 Prozent von der Wahl 2015 aus startend, wollen sie nun zweistellig werden. "Es würde mich wundern, wenn sie das nicht erreichen. Ich rechne mit einem sehr starken Ergebnis der Partei in Graz und einem guten am Land", sagt Poier. Auch bei den steirischen Grünen zeichnet sich laut dem Politologen nach der Wahl keine personelle Veränderung ab. "Da gab es bereits kürzlich einen Wechsel." Sandra Krautwaschl wurde erst zu Jahresbeginn zur neuen Spitzenkandidatin gekürt.