Allen Konsensbemühungen zum Trotz scheint Amtsinhaber Schützenhöfer nicht der größte Freund von Türkis-Grün zu sein. Zu den Bundesverhandlungen ließ er ausrichten, dass man die Koalition nicht um jeden Preis erzwingen sollte: "Man darf da nicht seine Seele verkaufen." Stattdessen war er in den vergangenen Wochen spürbar darum bemüht, die wachsende Kluft zu seinem Koalitionspartner Schickhofer zu kitten. Umgekehrt drängte sich auch Krautwaschl wenig offensiv als Regierungspartnerin auf, auch wenn sie die Verantwortung prinzipiell nicht ablehnt.

Zwei Fragezeichen

Anders schaut es da bei der KPÖ aus, die sich in der inhaltsarmen Wahlauseinandersetzung als angriffige, fast schon populistische Opposition präsentierte und somit diese Rolle mit der FPÖ tauschte. Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler kämpft um den Verbleib im Landtag, schon 2015 entschieden nur 345 Stimmen in Graz und Umgebung über Gedeih und Verderb. Dementsprechend offensiv propagierte sie ihr Wahlprogramm, das "eine andere Welt" verspricht - mit strengen Mietobergrenzen, ohne befristete Mietverträge, mehr Gemeindebauten, günstigen Öffis, fairen Gebühren, mehr Pflegegeld und Umverteilung. Wie stets setzt die Partei auf die Glaubwürdigkeit der eigenen Akteure, von denen viele Parteimitglieder nach wie vor Teile ihres Gehalts spenden.

Zusätzliche Konkurrenz bekommen sie von den heranstürmenden Neos, deren Einzug in den Landtag mit einem Fragezeichen versehen ist. Mit 28 Jahren ist der studierte Physiker Niko Swatek der jüngste Spitzenkandidat, der in der Wahlauseinandersetzung vor allem auf Bildung setzte: "Fast jeder vierte Schüler kann nicht sinnerfassend lesen und schreiben, das ist das größte Problem, das wir in der Steiermark haben."

Bundeschefin Beate Meinl-Reisinger versuchte, ihrem jungen Kollegen den Rücken zu stärken: "Niko, du bist der Mann für die Steiermark. Und du schaust aus wie der Andreas Gabalier." Ob Letzteres bei der eher progressiv ausgerichteten Neos-Wählerschaft gut ankommen wird, bleibt abzuwarten.