Mit der Rückeroberung von Platz 1 durch die ÖVP in der Steiermark ist der letzte Machtwechsel der letzten 20 Jahre in den Bundesländern rückgängig gemacht. Dreimal mussten in den letzten 20 Jahren Machtinhaber in die zweite Reihe zurücktreten - und jetzt sind sie überall wieder Erste: So wie heute in der Steiermark nahm die ÖVP der SPÖ in Salzburg schon 2013 wieder Rang 1 ab, und im selben Jahr die SPÖ der FPÖ in Kärnten.

Womit das Burgenland die große Ausnahme ist: Dort verdrängte die SPÖ 1964 die ÖVP von Platz 1 - und hat sich bis heute dort gehalten. Der aktuelle SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil kann damit rechnen, dass sich das bei der am 26. Jänner anstehenden Wahl nicht ändert.

Mehr als diese vier Machtwechsel gab es in der Zweiten Republik auf Landtagsebene nicht. Die Wähler zeigten sich hier höchst beständig: Bei den nunmehr 146 Landtagswahlen der Zweiten Republik gab es nur neun Mal einen Wechsel an der Spitze. Zweimal hatte das keine gröberen Auswirkungen: 1967 war die SPÖ im sonst schwarzen Oberösterreich leicht stärker als die ÖVP - und schon 1956 einmal in der Steiermark. Die Landeschefs stellte jeweils trotzdem weiter die ÖVP.

In fünf Ländern kommt der Landeshauptmann durchgehend seit 1945 von ein- und derselben Partei: In Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg von der ÖVP und in Wien von der SPÖ. Nur ein Land, das Burgenland, wurde (1964) nachhaltig von Schwarz auf Rot umgefärbt - und Kärnten, Salzburg und die Steiermark vorübergehend.

Umgekehrte Verhältnisse

Die jetzt vollständig wieder umgekehrten neuen Verhältnisse hatten die SPÖ-Wahlsiege während der ersten schwarz-blauen Phase im Bund gebracht - als 2005 Franz Voves in der Steiermark die ÖVP vom Thron stieß und erster roter Landeshauptmann wurde. Er konnte den heute eingebüßten ersten Platz 2010 und 2015 verteidigen. Vor fünf Jahren trat Voves allerdings wegen der schweren Einbußen der SPÖ zurück und überließ den Landeshauptmann - also de facto die Macht - schon damals der ÖVP.

Die zweite rote Eroberung Anfang der 2000er war Salzburg: Dort nahm Gabi Burgstaller 2004 der ÖVP Platz 1 und den Landeshauptmannsessel ab. 2013 setzte der Finanzskandal dem "roten Salzburg" allerdings ein jähes Ende, seither herrscht wieder, wie früher, die ÖVP im Lande.

Das vierte - und bunteste - Machtwechsel-Land ist Kärnten: Dort dominierte bis 1989 klar die SPÖ. Aber drei der 17 Wahlen der Zweiten Republik (1999, 2004 und 2009) waren die Freiheitlichen bzw. das BZÖ Erste. Und in den zehn Jahren vor dem FPÖ-Wahlsieg, von 1989 bis 1999, stellte nicht die SPÖ die Landeshauptleute, obwohl sie damals noch stärkste Partei war - sondern FPÖ (Jörg Haider) und ÖVP (Christof Zernatto) verhalfen sich gegenseitig zum LH-Sessel. 2013 erlitten die skandal- und krisengeschüttelten Freiheitlichen eine schwere Wahlschlappe. Und seither dominiert die SPÖ wieder: 2013 wurde Peter Kaiser Landeshauptmann, 2018 konnte er Platz 1 noch (fast auf die Absolute) ausbauen.