Sie will und will nicht enden, die rote Krise. Minus 6,4 Prozentpunkte in der Steiermark und 22,9 Prozent - ein "schmerzliches Ergebnis", wie die SPÖ-Bundesspitze unumwunden zugab. Spitzenkandidat und Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer gab sich zuerst gefasst, versuchte, die Niederlage noch mit dem Abschneiden der SPÖ bei den Nationalratswahlen zu vergleichen, immerhin habe man in der Steiermark noch etwas besser abgeschnitten, und wollte noch keine personellen Konsequenzen ziehen - am Montagvormittag aber verkündete er dann doch seinen Rücktritt. Am Nachmittag tagten die Landesparteigremien, in der, dem Vernehmen nach, zwei Fraktionen um die Zukunft der Landesparteiführung rangen. Während die einen sich dafür aussprechen, dass der SPÖ-Finanzlandesrat Anton Lang nicht nur die anstehenden Regierungsverhandlungen mit dem ÖVP-Wahlsieger und Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer führen, sondern auch gleich Schickhofer an der Spitze nachfolgen soll, wollen die anderen auf Zeit spielen. Der interimistische Landesparteichef Jörg Leichtfried soll den Genossen Zeit verschaffen, Führung und Strategie der Partei neu auszurichten. Schließlich setzte sich Leichtfried durch - Anton Lang soll ihm aber an der Spitze nachfolgen.

Die Konsequenzen der Niederlage in der Steiermark sind jedenfalls beträchtlich. Zwar könnte durch die Wahlkarten-Auszählung noch ein Landtagsmandat von der KPÖ zur SPÖ wandern, mindestens ein Landesrat aber würde im Falle einer ÖVP-SPÖ-Koalition für die SPÖ wegfallen. Im Bundesrat ist die Sperrminorität dahin - was bedeutet, dass die SPÖ künftig dort keine Gesetze mehr verhindern kann, was vor allem bei Verfassungsmaterien wichtig ist. Zuletzt war dies bei der von ÖVP, FPÖ und Neos geplanten Schuldenbremse im Verfassungsrang der Fall.

Das Steiermark-Ergebnis befeuert zudem erneut Personalfragen an der Spitze der Bundespartei, zumindest, was die Medien angeht. Am Montag erteilte der Medienmanager Gerhard Zeiler, der in der Vergangenheit immer wieder als möglicher Parteichef und Spitzenkandidat gehandelt wurde, entsprechenden Spekulationen eine klare Absage: Im Falle eines Rücktritts von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner stünde er nicht zur Verfügung. Wohl aber hat Zeiler jede Menge guter Ratschläge für die strauchelnden Genossen. Diese hat er in seinem neune Buch "Leidenschaftlich Rot" zusammengefasst, das er am Montag präsentierte. "Eher verschwommen" sei demnach die Position der SPÖ. Sie freue sich über dessen "glühendes Plädoyer für die Sozialdemokratie", ließ Rendi-Wagner dennoch wissen.