Walking on Sunshine - der Song prägte die schwarze Wahlparty am Sonntagabend und er beschreibt die derzeitige Situation der Volkspartei. Sie eilt unter Parteiobmann Sebastian Kurz von Sieg zu Sieg. Die ÖVP holte sich nach 14 Jahren die Steiermark von der SPÖ zurück, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer schaffte mit einem Plus von 7,6 Prozentpunkten den zweitgrößten Zuwachs der ÖVP bei allen 27 Landes- und Bundeswahlen der letzten zehn Jahre.

Die Landtagswahl in der Steiermark am Sonntag brachte vier Sieger - ÖVP (36,05 Prozent), Grüne (12,08 Prozent), KPÖ (5,99 Prozent) und Neos (5,37 Prozent) - und zwei klare Verlierer - SPÖ (23,02 Prozent und FPÖ (17,49 Prozent). Die ÖVP hat quer durch das Bundesland gewonnen: In 280 von 286 Gemeinden verzeichnete sie Zugewinne, auch die Grünen konnten in 275 Gemeinden zulegen. Die SPÖ hatte dagegen nur in 36 Gemeinden ein Plus vor ihrem Ergebnis, die FPÖ nur in einer Gemeinde (Rottenmann).

Die am Montag ausgewerteten rund 90.000 Briefwahlstimmen haben den Mandatsstand noch deutlich geändert: SPÖ und Grünen haben jetzt eines mehr als in der Urnenwahl - zulasten von FPÖ und KPÖ. Eine schwarz-grüne Mehrheit gibt es damit aber immer noch nicht.

Laut dem Montagabend veröffentlichten Ergebnis inklusive Briefwahl und Wahlkarten aus "fremden" Wahlkreisen lautet die Sitzverteilung im nächsten steirischen Landtag: ÖVP 18 (plus 4), SPÖ 12 (minus 3), FPÖ 8 (minus 6), Grüne 6 (plus 3), KPÖ unverändert 2 - und Neos neu im Landtag mit 2 Mandaten.

Die Briefwahl erreichte den Rekord: 90.333 gültige Stimmen werteten die Bezirkswahlbehörden am Montag noch aus, 90.035 aus der Briefwahl und 298 an in "fremden" Wahlkreisen abgegebenen Wahlkarten. Sie machten 15 Prozent der gesamten gültigen Stimmen aus. Die Wahlbeteiligung stieg damit zwar auf 63,46 Prozent - das ist aber immer noch die schwächste Beteiligung der Zweiten Republik.

"Heute ist ein Tag der Freude und der Dankbarkeit", sagte Schützenhöfer am Wahlabend mit Tränen in den Augen. Aber "wir brauchen einen Partner, wir sind nicht alleine auf der Welt. Ich werde morgen damit beginnen, gemeinsam die Steiermark zu entwickeln."

Ein historischer SPÖ-Verlust

Obwohl sich die Steirer mehrheitlich Schwarz-Grün wünschen, wird es sehr wahrscheinlich in der Grünen Mark wieder eine schwarz-rote Landesregierung geben, denn eine Koalition von ÖVP und Grünen reicht nicht aus. Der Abgang von SPÖ-Vorsitzendem Michael Schickhofer am Montag könnte eine Weiterführung der Zusammenarbeit zwischen ÖVP und SPÖ sogar noch erleichtern. Denn der von der überraschenden Vorverlegung der Landtagswahl auf dem falschen Fuß erwischte Schickhofer hat seinen Ärger darüber den Koalitionspartner im Wahlkampf spüren lassen. Das Glaserl Wein, das er mit Schützenhöfer vor einigen Tagen getrunken hatte, kam als Geste der Versöhnung nicht mehr durch - es hätte wohl eine Analogie zum berühmten "Glaserl" von Franz Voves 2010 sein sollen, bei dem dieser mit Schützenhöfer nach langen Streitereien und nach einer krachenden Wahlniederlage für beide Großparteien die "Reformpartnerschaft" aus SPÖ und ÖVP ausgehandelt hatte.

Schickhofer sagte am Montag, seine Entscheidung für den Rücktritt sei schon am Sonntagabend gereift, aber er wollte unbedingt mit seiner Familie noch darüber reden. "Ich bedanke mich für neun Jahre, der letzte Abschnitt war ein schwieriger." Sein Rücktritt war allerdings nach dem historischen SPÖ-Verlust von fast 40 Prozent der SPÖ-Wähler von 2015 (73.000 Stimmen) fast zwingend. Sora schreibt dies in der Wählerstromanalyse den Abwanderungen zur ÖVP (22.000) und in den Nichtwählerbereich (20.000) zu; das Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung sieht den größten Abgang Richtung Grüne (21.100) und Nichtwähler (15.800) und nur 9000 zur ÖVP. Davongekommen ist die SPÖ in den Industriestädten, die sie - meist mit Verlusten - halten konnte. Die ÖVP nahm dort aber der FPÖ den zweiten Platz ab.