Tirols Landeshauptmann und ÖVP-Parteichef Günther Platter hat in einer emotionalen Rede in Alpbach einen "enormen Rückenwind" durch den Parteitag für seinen designierten Nachfolger Anton Mattle beschworen. Dies sei entscheidend, um mit voller Kraft in die Wahl zu gehen. Mattle bringe alles mit, was es braucht. Der Opposition gehe es nur darum, die "ÖVP weg zu haben", egal mit welchen Mitteln. Dem müsse man alles entgegensetzen, so Platter.

"Sie werden in diesem Wahlkampf alle versuchen, die ÖVP zu schwächen. Und wir werden dafür sorgen, dass sie scheitern", so der scheidende Landesparteiobmann. Der Landeschef erinnerte an die Zeit vor der Landtagswahl 2013, als auch alle die ÖVP abgeschrieben hätten. Anschließend - nach mehr als 39 Prozent - hätte ein "Wiener Medium" vom "Wunder von Tirol" geschrieben. Massiv appellierte Platter an die Geschlossenheit der Partei, nur dann schaffe man es "an die Spitze". Man sei "erfolgsverwöhnt" als Partei, dies sei "nicht die Normalität".

Nach Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) erinnerte auch Platter an Mattles Rolle bei der Lawinenkatastrophe in Galtür: "Er hat eine unglaubliche Handschlagqualität. Das Kümmern um Land und Leute hat ihn nicht mehr losgelassen. Er ist der richtige Mann für Tirol. Tirol braucht Toni Mattle".

Am Schluss wurde Platter besonders emotional. "Was bleibt", habe er sich gefragt. Er sei kürzlich in seinem Heimatort Zams auf den Berg gegangen und habe sich gedacht: "Wir haben es gut gemacht. Meine Enkel werden es auch so gut haben wie wir". "Es war mir jeden Tag eine Ehre, Landeshauptmann von Tirol zu sein. Passt mir gut auf - auf das Land Tirol und unsere Volkspartei". Standing Ovations folgten auf den Mann, der Tirol 14 Jahre lang regierte.

Mattle siegesgewiss

Anton Mattle selbst hat sich in seiner über 30-minütigen Rede vor dem Landesparteitag für die Landtagswahl siegesgewiss gezeigt. "Wir werden erfolgreich sein", sagte Mattle vor den Delegierten. Eindringlich bat er um größtmögliche Unterstützung bei der Obmannwahl: "Wenn es heute gut geht, wird das ein Turbo für die Wahl".

Nur wenn die Partei geeint sei, könne man die Wahl mit einem "guten Ergebnis gewinnen". Dann werde man eine "Wahlbewegung" auf die Beine stellen können, die viele Tirolerinnen und Tiroler überzeugen werde. Der 59-jährige, frühere Bürgermeister von Galtür legte seine Rede, die er mitunter völlig frei hielt, großteils sehr pragmatisch und nachdenklich an. Er streifte viele, für Tirol wesentliche, Politikfelder - von Energie über Transit bis Wohnen und "den Wolf".

Ein zentrales Element war die sogenannte "Energiewende": "Das ist die Chance schlechthin für Tirol". Eine deutliches Bekenntnis legte er zum Ausbau der Wasserkraft ab: "Das ist der Bodenschatz Tirols". Das Bundesland habe aber auch das "Potenzial, Weltmeister im Ausbau von Fotovoltaikanlagen" zu werden. Alle Tiroler sollten mittun und entsprechendes, wo möglich, auf ihren Dächern installieren. Der Windkraft attestierte der mögliche künftige Landeschef in Tirol hingegen nur "bescheidenes Potenzial".

In Sachen Transit erklärte Mattle, dass in Tirol der "Verkehr zwar insgesamt zugenommen, die Schadstoffbelastung aber abgenommen hat". Man dürfe somit den Transit nicht nur an "definitiven Zahlen festmachen". Entscheidend sei aber insgesamt, dass "Mobilität nicht gesundheitsgefährdend und natur- und infrastrukturzerstörend ist".

In der Dauercausa Wolf und Bär in Tirol hatte Mattle eine klare Botschaft. "Großraubtiere haben keinen Platz in Tirol", strich er heraus. Um das zu gewährleisten, werde es künftig von Zeit zu Zeit auch einen "legistischen Grenzgang brauchen", kündigte der designierte Landesparteiobmann an. Beim Wohnen plädierte er unter anderem für die Gründung von Immobiliengenossenschaften.

In Sachen (Teuerungs)-Krise lobte er den Bund. Dieser sei unglaublich stark in Vorlage getreten. Bund und Land könnten aber nicht alles abfedern: "Wir müssen solidarisch sein und zusammenhalten. Dafür bitte ich um Verständnis".

Die Wahl von Mattle zum neuen Landesparteiobmann der Tiroler ÖVP war dann nur noch Formsache: ER wurde mit mit 98,9 Prozent der Delegiertenstimmen für fünf Jahre gewählt. (apa)