"Wetterfest" prangt auf dem Bus, mit dem ÖVP-Spitzenkandidat Anton Mattle nach dem Wahlauftakt am Samstag in seiner Heimatgemeinde Galtür im Paznauntal nun auf Tour durch Tirol geht. Der bisherige Wirtschaftslandesrat, der erst im Juni in einer überraschenden Aktion vom scheidenden ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter als Spitzenmann für die vorgezogene Landtagswahl am 25. September vorgestellt worden ist, wird sich warm anziehen müssen, wenn es nach den aktuellen Prognosen geht. In einer Umfrage für die Sonntag-Ausgabe der Tiroler Kronenzeitung kommt die ÖVP nur mehr auf 25,3 Prozent der Stimmen, in der Tiroler Tageszeitung war die ÖVP zwei Tage davor mit 26 Prozent zum Start in den Intensivwahlkampf nur unwesentlich besser gelegen. Mattle sprach beim offiziellen Wahlkampfstart von einer "Aufholjagd" – auf 44,3 Prozent für Platters ÖVP bei der Landtagwahl 2018.

Die über Jahrzehnte fast uneingeschränkt dominierende ÖVP muss sich jedenfalls auf ein politisches Erdbeben einstellen. Von der Bundes-ÖVP in Wien darf sich der 59jährige Mattle, der lange Jahre Bürgermeister von Galtür unmittelbar an der Grenze zum Vorarlberger Montafon war, keinen Rückenwind erhoffen. Denn die ÖVP liegt mit Bundesparteiobmann und Bundeskanzler Karl Nehammer selbst in Umfragen zur Nationalratswahl mit mageren knapp 20 Prozent nur auf Platz drei hinter SPÖ und FPÖ. Im Frühjahr 2018 profitierte die Tiroler ÖVP von dem damals aufstrebenden Regierungs- und Parteichef Sebastian Kurz in Wien.

FPÖ will "Duell um Tirol", SPÖ will 20 Prozent

Die Wahlwerbung der Tiroler Volkspartei ist ganz auf den Neuling, der erst im Vorjahr Wirtschaftslandesrat wurde, ausgerichtet, selbst das Parteilogo wird regelrecht versteckt. Mit Mattle will man vor allem frischen Wind in der Partei signalisieren. Das zeigt sich auch in dem fast 70 Seiten umfassenden Wahlprogramm mit dem Motto "Neue Energie für Tirol". Mattle hat zuletzt bundesweit während des Pokers um Bundesgeld für die Wien Energie mit dem markigen Spruch gegen Wien aufhorchen lassen, Tirol wolle nicht für "Energieversorger im Osten" aufkommen. Eine Koalition mit der FPÖ hat er ausgeschlossen. Die Freiheitlichen mit ihrem langjährigen Obmann Markus Abwerzger haben die Landtagswahl angesichts der massiven Schwäche der ÖVP bereits zum "Duell um Tirol" auch auf Plakaten stilisiert. Dabei kommen die Blauen in der Umfrage in der "Krone" selbst nur auf magere 16,6 Prozent und liegen damit wie bei der Landtagswahl 2018 hinter der SPÖ mit Landesparteichef Georg Dornauer, der für den 25. September 17,8 Prozent prognostiziert werden.

In der Innsbrucker Bevölkerung ist man allerdings überzeugt, dass sich bis zum Wahltag bei den Parteien hinter der ÖVP noch einiges tun kann. Denn in der Befragung der Tiroler Tageszeitung kommt die FPÖ auf gut 20 Prozent und lässt die SPÖ knapp hinter sich. Dornauers Partei käme demnach auf 19 Prozent. Er selbst hat beim roten Wahlauftakt am Donnerstagabend in Innsbruck als Wahlziel mehr als 20 Prozent ausgegeben. Nach neun Jahren schwarz-grüner Koalition möchte Dornauer seine Partei vor allem wieder zurück in die Landesregierung führen. Angesichts der ÖVP-Schwäche in den Umfragen fehlt aber für eine ÖVP-SPÖ-Koalition in Tirol eine Mehrheit für die zwei Parteien.

Die Grünen nehmen in der kommenden Woche volle Fahrt für den Wahlkampf auf, in Umfrage können sie das Ergebnis von 2018 mit knapp elf Prozent halten oder leicht ausbauen. Wie der bisherige Koalitionspartner ÖVP treten die Grünen nach dem Rückzug von Ingrid Felipe mit Gebi Mair zwar mit einem langjährigen Landtagsabgeordneten, aber ebenfalls mit einem Neuling an der Spitze an. Der Wahlkampf wird aber ohnehin stark auf Inhalte angelegt – vor allem die drastischen Folgen für Tirol bei einem weiteren Ignorieren des Klimawandels und notwendiger Maßnahmen zum Gegensteuern. Am Donnerstag dieser Woche kommt Vizekanzler Grünen-Chef Werner Kogler zur Unterstützung nach Tirol.

MFG ist klar abgeschlagen

Der Unmut der mehr als einer halben Million Wahlberechtigten in Tirol äußert sich vor allem darin, dass die kleineren Oppositionsparteien im Landtag mit einem kräftigen Zuwachs rechnen dürfen. Die Neos mit Spitzenkandidat Dominik Oberhofer würden sich laut "Krone"-Umfrage von fünf Prozent bei der Landtagswahl 2018 auf 11,7 Prozent mehr als verdoppeln und knapp an die Grünen heranrücken. In der Tiroler Tageszeitung kommen die Pinken auf acht Prozent. All das nährt Spekulationen, dass es nach der Tiroler Landtagswahl wie im benachbarten Salzburg zu einer Dreierkoalition von ÖVP, Grünen und Neos kommen könnte.

Die Liste Fritz, die unter ihrem charismatischen Gründer, Ex-Arbeiterkammerchef Fritz Dinkhauser, sogar auf gut 18 Prozent gekommen ist, erreicht laut "Krone"-Befragung 11,5 Prozent nach gut fünf Prozent im Jahr 2018. In der Tiroler Tageszeitung sind es mit neun Prozent etwas mehr als bei den Neos.

Ernüchternd ist die Ausgangslage für die Impf-kritische Partei MfG, der nach der Abschaffung der Impfpflicht durch die Bundesregierung das Reizthema abhandengekommen ist. Sie ist in den Umfragen deutlich vom Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde in den Landtag entfernt.