Wien. Die SPÖ konnte bei der Landtagswahl heute, Sonntag, ihren (fast durchgehend gehaltenen) zweiten Platz gegen die FPÖ verteidigen. Einige Bewegung gab es aber auf den hinteren Rängen. Und der Wegfall von drei 2013 stärkeren Parteien bescherte fast allen Zuwächse.

17,74 Prozent waren bei der heurigen Wahl am Markt - die 2013 zusammen die Liste Vorwärts, Fritz Gurgisers Bürgerklub und das Team Stronach geholt hatten. Der größte Brocken davon ging bei der heutigen Wahl an die FPÖ, aber auch ÖVP und SPÖ legten deutlich zu. Einen Verlust hinnehmen mussten die Grünen, die es nach dem Nationalrats-Desaster jedoch schafften, zweistellig zu bleiben. Ein wenig verlor auch die Liste Fritz aus - aber den NEOS gelang es auf Anhieb, den Tiroler Landtag zu erobern.

Grüne verlieren dritten Platz

Die Grünen mussten nicht nur den Abschied von rund 5.700 Wählern hinnehmen - sondern auch den dritten Platz der FPÖ abtreten. Sie sind jetzt wieder, wie von 1984 bis zur Wahl 1999, Vierte. Die FPÖ sprang gleich um zwei Ränge nach vorne: 2013 musste sie sich mit Platz 5 auch noch hinter der Liste Vorwärts zufriedengeben. Trotz leichtem Verlust einen Platz nach vorne kletterte heuer die Liste Fritz Dinkhausers. Sie holte sich mit 5,5 Prozent Rang fünf knapp vor den NEOS (5,21 Prozent).

Auch wenn sich die Liste Fritz im Landtag hielt, dürfte die Zeit der bürgerlichen Abspalter-Listen in Tirol vorbei sein. Bei den vorigen beiden Wahlen hatte die ÖVP stark unter dem Antreten der Liste Fritz, von Vorwärts Tirol und Fritz Gurgisers zu leiden - womit sie von einem ins nächste historische Tief (2013 waren es erstmals knapp unter 40 Prozent) rutschte. Vorwärts und die Liste Gurgiser haben sich mittlerweile - ebenso wie das Team Stronach - aufgelöst; die beiden (Nachfolger)-Listen "Impuls" und "Family" blieben weit unter der Fünf-Prozent-Grenze.

Da aber NEOS und auch die Liste Fritz diese schafften, blieb Platter die absolute Mehrheit der 36 Landtagsmandate verwehrt. Vor 1999 konnten sich die ausnahmslos schwarzen Landeshauptleute alle auf die Absolute stützen. Mit dem Hoch der FPÖ unter Jörg Haider war es damit vorbei. 2003 hatte die ÖVP zwar wieder genug Mandate, um alleine zu regieren, setzte aber die Koalition mit der SPÖ fort - und ab 2008 brauchte sie mangels Mehrheit wieder Koalitionspartner, erst die SPÖ und dann die Grünen. Jetzt kann Platter unter Grünen, SPÖ und FPÖ wählen.

Vier potenzielle Koalitionspartner

Die Tiroler Landtagswahl hat die ÖVP von Landeshauptmann Günther Platter in eine komfortable Position gebracht. Zwar reichte es nicht für eine "Absolute", doch hat die Volkspartei gleich vier potenzielle Koalitionspartner, zwischen denen sie wählen kann. Freilich wäre eine Regierung mit den NEOS eine riskante Sache.

Denn gemeinsam mit den pinken Neueinsteigern liegt die ÖVP nur ein Mandat über der absoluten Mehrheit. Als weiterer Risikofaktor kommt hinzu, dass der zweite Sitz der NEOS nur mit 16 Stimmen abgesichert ist und im Fall einer Neuauszählung (in Richtung FPÖ) wegfallen könnte, sollten sich da Änderungen ergeben. Die "Liste Fritz" mit ihren zwei Mandataren wäre ebenfalls ein theoretischer Koalitionspartner der Volkspartei, hat sich aber schon im Vorfeld auf Opposition festgelegt.

Damit bleiben der ÖVP drei realistische Optionen. Die besseren Chancen werden hier derzeit Rot und Grün im Vergleich zu Blau gegeben, da Wahlsieger Platter einer Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen (im Gegensatz zum eigenen Wirtschaftsflügel) reserviert gegenübersteht und angesichts seines starken Abschneidens wohl auch innerparteilich das Heft ziemlich fest in der Hand hat.

Ausgehen würden sich alle Varianten problemlos. Mit der SPÖ käme die ÖVP auf 23 Mandate, mit der FPÖ auf 22 und mit den Grünen auf 21. Für die "Absolute" braucht es 19 Sitze.

Spannend wäre bei einer Koalition mit den Sozialdemokraten, ob Parteichefin Elisabeth Blanik in die Landesregierung aufrückt. Damit müsste sie nämlich das Bürgermeisteramt in Lienz aufgeben, was ihr ziemlich schwer fallen dürfte. Möglich ist daher, dass sie im Fall der Fälle nur Klubchefin wird und Parteivize Georg Dornauer das rote Regierungsteam leitet.

Sollte sich Platter für eine Fortsetzung von Schwarz-Grün entscheiden, würde sich personell wenig ändern. Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe würde bleiben und Klubobmann Gebi Mair wohl in die Regierung aufrücken. Gesucht wäre damit nur ein neuer Fraktionschef. Kämen die Freiheitlichen zu Regierungsehren, würde das Team zweifelsohne von Parteichef Markus Abwerzger angeführt werden.