Internationale Tageszeitungen beschäftigen sich am Montag mit dem Ausgang der Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien.

So etwa schreibt die "Süddeutsche Zeitung": "Straches Comeback misslingt. (...) In Wien war das Abschneiden des einst so einflussreichen Rechtspopulisten, der nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Frühjahr 2019 seinen Rückzug aus der Politik - und wenige Monate später seinen Rückzug vom Rückzug verkündet hatte, mit einiger Spannung erwartet worden. Mindestens ebenso gespannt hatten Politiker im Bundesland Wien und im Bund auf das Abschneiden der FPÖ geschaut - und auch die leckt nun ihre Wunden: 7,7 Prozent, ein Minus von 23,1 Prozentpunkten - das hat es in der Wahlgeschichte Österreichs nur selten gegeben. Die Freiheitlichen zahlten in der Stadt unter anderem den Preis für die schweren Verwerfungen, in die Strache seine Partei mit der Causa Ibiza gestürzt hatte; sie waren zudem mit dem jungen, eher unbekannten Kandidaten Dominik Nepp angetreten. Aber da auch die ÖVP, die ihr Ergebnis mit Spitzenkandidat Gernot Blümel, zugleich Finanzminister, auf 18,8 Prozentpunkte verdoppeln könnte, im rechten Lager um Stimmen buhlte und damit drei Parteien mit den Themen Migration und Integration Wahlkampf machten, blieb für die Rechtspopulisten von der FPÖ, die sich selbst als das "Original" bezeichneten, nur noch wenig Raum."

Gebeutelte SPÖ mit positiven Signalen

Auch die Neue Zürcher Zeitung analysiert: "Mit seinem Wahlsieg in der roten Hochburg wird Ludwig als einflussreichste Stimme innerhalb der SPÖ bestätigt. Die arg gebeutelte einstige Großpartei kann das positive Signal aus Wien gut gebrauchen. Dass Ludwig bei zukünftigen Führungsdiskussionen ein wichtiges Wort mitreden wird, aber als Parteivorsitzender nicht infrage kommt, unterstreicht die Bedeutung des Bürgermeisterpostens: Als Chef des Wiener Apparates ist er deutlich mächtiger. (...) Nach der Feier des Wahlsiegs muss Ludwig zeigen, dass er die sozialdemokratischen Traditionen Wiens nicht nur verwalten, sondern auch erneuern kann; die große Krise inklusive einer absehbaren Pleitewelle steht der Stadt erst bevor. Immerhin hat er dabei alle Optionen und hält sich bewusst bedeckt, ob er die Koalition mit den Grünen fortsetzt oder auf die Liberalen der Partei Neos oder gar die ÖVP setzen will."

Deftige Niederlage für Rechtspopulisten

"Dolomiten" (Bozen) sieht das Ende der Rechtspopulisten gekommen: "Es (das Debakel von FPÖ und Team HC Strache, Anm.) reihte sich freilich in die Serie von deftigen Niederlagen, die die Rechtspopulisten seit Ibiza erlitten haben und erleiden. Und dass es just in der Millionenmetropole Wien noch einmal schlimmer kam, in der Stadt, in der die Freiheitlichen in den Arbeiterbezirken über Jahrzehnte so erfolgreich bei der SPÖ gefischt hatten, lässt einen Schluss zu: das sogenannte dritte Lager ist auf absehbare Zeit politisch tot. (...) Der Sieg (der SPÖ) in Wien kam (...) nicht überraschend, alle Umfragen hatten die SPÖ bei einem starken Plus. Aber es ist Balsam auf die Wunden der krisengebeutelten Partei, die seit 2017 keinen Fuß mehr auf den Boden zu bekommen scheint. (...) Ob jetzt durch die Erfolge eine Phase der Ruhe einkehrt in der SPÖ; oder ob mit einiger Verzögerung erst recht die Diskussion losgeht, dass es erfolgreichere Wahlkämpfer als die offenbar aussichtslose Pamela Rendi-Wagner gibt, wird spannend zu sehen sein." (apa)