Wien. (iw) Wie ist Maria Vassilakous Aussage vor der Wahl, bei Verlusten an die nächste Generation übergeben zu wollen, zu werten? Die Grünen-Wien-Chefin hat sich dafür bereits mehrmals entschuldigt und hat Montagabend ihren Rücktritt intern zur Abstimmung gebracht - sie wurde mit 25 Pro- bei 2 Gegenstimmen - in ihrer Funktion bestätigt. "Ich war genervt von der ewig gleichen Frage und sagte das, was in meinem Herzen lag", sagte sie bereits vor der Wahl dazu zur "Wiener Zeitung". Es könnte also damit gut sein. Oder aber nicht.

Zwischen Verständnis, "Fehler sind menschlich" und "untragbar" sind die Reaktionen. Für Politologe Thomas Hofer hat die Grünen-Chefin ein "klassisches Eigentor" geschossen. Diese komplett ohne Not getätigte Aussage im Wahlkampf sei vielleicht erfrischend, offen und ehrlich gewesen, und vielleicht auch noch emotional nachvollziehbar, doch sei nun ein Image-Schaden da. "Die von den Grünen selbst beschworene Kultur der Glaubwürdigkeit ist angekratzt", so Hofer zur "Wiener Zeitung". Die Grünen seien immer die Ersten gewesen, die den Zeigefinger hoben, wenn Politiker ihre Versprechen nicht einlösen.

"In Österreich sieht man
das eher nach"

Allerdings herrscht laut Hofer in Österreich - anders als etwa in Deutschland - eine gewisse Kultur der Nachsicht. "Im Vergleich zu Deutschland, wo der Druck sofort sehr groß wird, kann man in Österreich derartige Fehler schon eher aussitzen", sagt Hofer. Der Druck auf Vassilakou werde zwar nicht kleiner, aber sie könne das aus politischer Sicht durchstehen. So wie Wolfgang Schüssel (ÖVP), der im Jahr 2000 Dritter und Bundeskanzler wurde, obwohl er vor der Wahl angekündigt hatte, mit diesem Ergebnis in Opposition gehen zu wollen.

Vassilakou wird sich jetzt wohl damit herumschlagen müssen - nach zwei, drei Jahren, sei es dann vorbei, so Hofer. Solange ihre Mannschaft hinter ihr stünde. Falls nicht, würde dies eher zum Problem werden. Doch das sei es, was Vassilakou in den vergangen zehn, 20 Jahren auch "wirklich gut gelungen" ist: "Vassilakou ist es wirklich gelungen, die Grabenkämpfe in ihrer Partei zu befrieden", sagt Hofer. Sollte ihr das nicht wieder gelingen, so könnten die Wiener Grünen vor größeren Problemen stehen.