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Wien. Es ist das Prestigeprojekt der Stadt Wien schlechthin. Die Seestadt Aspern auf dem Gelände des ehemaligen Flugfelds im 22. Bezirk ist das größte Erweiterungsgebiet der Stadt und eines der größten Stadtbauprojekte Europas. Auf 240 Hektar Grundfläche bauen zahlreiche Gewerbe-, Dienstleistungs- und Produktionsbetriebe neue Büros und Geschäftslokale, bis 2030 sollen hier 20.000 Arbeitsplätze und 10.500 Wohnungen entstehen. 2800 Wohnungen sind bereits fertig, um die 6000 Wiener haben hier bereits günstige, geförderte Mietwohnungen bezogen.

Mit günstigen Wohnungen ist auch die SPÖ in den Landtagswahlkampf gezogen. In der Seestadt Aspern hat man sich intensiv um die Wähler bemüht, die Wiener SPÖ hat sogar eigens ein Büro für den Wahlkampf in der Seestadt eingerichtet. Doch die Bemühungen waren eher von bescheidenem Erfolg gekrönt. Nur Sprengel 152, dem mit 591 Wahlberechtigten kleinsten der drei Wahlsprengel in der Seestadt, erreichte die SPÖ den ersten Platz. In den Sprengeln 150 und 151 schafften es die Freiheitlichen an die Spitze. Als die Zahlen bekannt wurden, war die Verwunderung nicht nur in der SPÖ groß. Da baut die Stadt tausende neue, günstige Mietwohnungen - und der Wähler bedankt sich mit einer Stimme für die FPÖ, so der Tenor auch in den Medien. War es tatsächlich "Undankbarkeit"? Gibt es Probleme im größten Stadtentwicklungsgebiet, die die Stadtregierung verabsäumt hat anzusprechen? Wie kam das Ergebnis zustande?

Neue Wohnung, alte Partei

Die "Aspern Development AG Wien 3420" ist die für die Umsetzung des Plans der Stadt Wien zuständig. Sie kümmert sich um Einteilung, Aufwertung und Vergabe der Flächen in der Seestadt. Dort will man das Wahlergebnis keineswegs mit etwaigen Qualitätsmängeln bei der Wohnqualität in Verbindung gebracht wissen. Immerhin würde ein Großteil der rund 6000 Bewohner der Seestadt erst seit weniger als einem Jahr in der Seestadt leben. Erst im September vergangenen Jahres habe die Besiedlung begonnen - tatsächlich waren in der Seestadt nur 38 Prozent der Seestadt-Bewohner wahlberechtigt.

Auch dass viele Wohnprojekte von der Stadt Wien gefördert oder von gemeinnützigen Bauträgern realisiert wurden, sei kein Grund zur Annahme, dass die amtierende Stadtregierung sich damit ein gutes Abschneiden in Aspern hätte erwarten können. Schließlich gebe es ja auch keine politischen Kriterien bei der Vergabe von geförderten Wohnungen. Überhaupt sei das demokratische Entscheidungsrecht über alles zu stellen. Zudem ändere sich die politische Haltung nicht mit einem Umzug, sprich: Wer von der FPÖ politisch überzeugt sei, der bleibe dies auch als neuer Bewohner der modernen Seestadt. "Wenn Sie innerhalb von Wien übersiedeln - wählen Sie dann automatisch anders?", so die Stadtentwickler gegenüber der "Wiener Zeitung".