Wien. Ihr zittern noch immer die Knie, sagt sie. Uschi Lichtenegger, die amtierende Bezirksvorsteher-Stellvertreterin, und ihr Team haben die Wahlwiederholung der Leopoldstädter Bezirksvertretungswahl mit einem Erdrutschsieg gewonnen. Die 55-jährige Familienhelferin, die seit mehr als 15 Jahren bei den Grünen und im 2. Bezirk verwurzelt ist, wird neue Bezirksvorsteherin. Sollte – und das "sollte" spielt eine bedeutende Rolle – der Urnengang nicht erneut angefochten werden.

Lichtenegger wirkt auf den ersten Blick schüchtern, sie drängt sich nicht gerne in den Mittelpunkt, wie es scheint, gibt knappe Antworten und spricht ein wenig leise. Abseits der Menge, in einer Ecke im Vorraum der Bezirksvorstehung, gibt Lichtenegger nach der Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses ihre ersten Interviews. "Ich freue mich, es ist überwältigend", kommentiert die grüne Frontfrau. Wie war Lichteneggers erste Reaktion, als die erste Hochrechnung bekannt gegeben wurde? "Ich habe es nicht glauben können", sagt sie. Was anders wird, wenn sie das Ruder im Bezirk übernehmen wird, kann Lichtenegger noch nicht sagen. "Das weiß ich noch nicht. Heute wird gefeiert, morgen wird gearbeitet. Ich werde mit allen Fraktionen reden. Mir ist ein gemeinsamer Weg mit allen Leopoldstädterinnen und Leopoldstädtern wichtig", so Lichteneger, die den Wahlsieg darauf zurückführt, dass "wir die richtigen Antworten hatten". Ob der jetzige SPÖ-Bezirksvorsteher Karlheinz Hora als ihr Stellvertreter nachfolgt? "Das müssen Sie die SPÖ fragen", sagt Lichtenegger.

Mit einem Plus von elf Prozent und mit einem Stimmenanteil von 32,2 Prozent haben die Grünen die Macht der SPÖ in der Leopoldstadt beendet. Das vorläufige Ergebnis der Wahlwiederholung der Leopoldstädter Bezirksvertretungswahl, das nach der Auszählung der 104 Wahlsprengel bekannt gegeben wurde: Grüne 32,24% (+11,46%, 20 Mandate), 28,83% (-13,46%, 18 Mandate), FPÖ 24,94% (+ 3,94%, 15 Mandate), ÖVP 5,93% (-- 5,18%, 3 Mandate) und Neos (5,02%, 3 Mandate)

Die SPÖ stellt den Bezirksvorsteher im 2. Bezirk seit 1945 – seit April 2013 steht Karlheinz Hora, ehemaliger SPÖ-Gemeinderat und SPÖ-Verkehrssprecher, dem Bezirk vor. Horas schlimmste Befürchtung ist am Wahltag Realität geworden. Die SPÖ ist im grün-blauen Match untergegangen.

"Es ist das eingetreten, wovor ich gewarnt habe. Die Grünen haben gesagt, es geht bei der Wahlwiederholung nur um den zweiten Bezirksvorsteher-Stellvertreter. Ich habe die ganze Zeit davor gewarnt, dass es nicht nur um den zweiten Bezirksvorsteher-Stellvertreter geht, sondern auch um den Bezirksvorsteher. Es war eine spezielle Situation und das erste Mal in Wien, dass ein Bezirk gesondert gewählt hat. Die Verunsicherung der Wähler war sehr groß."