Wien. Gut zwei Monate vor der Nationalratswahl scheinen die Positionen der Parteien laut Umfragen weitgehend zementiert. Der Vorsprung der ÖVP dürfte "ohne dramatische Ereignisse" nicht aufzuholen sein, sagte Politikwissenschaftler Peter Filzmaier. Spannender für die ÖVP werde die Frage nach den Koalitions-Optionen nach der Wahl, denn realistisch scheint den Experten derzeit nur Türkis-Blau.

Die Umfragen zeigen seit Wochen einen deutlichen Vorsprung der ÖVP vor SPÖ bzw. FPÖ. In den meisten Erhebungen seit Ende Mai liegt die Volkspartei zwischen 36 und 38 Prozent. SPÖ und FPÖ liefern sich mit Respektabstand ein Match um den zweiten Platz (mit Werten zwischen 17 und 23 Prozent).

"Die surfen ganz stabil dahin" 

Ein Sieg der ÖVP scheint laut dem Politologen Peter Filzmaier aus derzeitiger Sicht eine recht klare Sache zu sein, sollten keine "dramatisch negativen Ereignisse" eintreten. "Die surfen ganz stabil dahin", sagte im APA-Gespräch auch Meinungsforscher Peter Hajek (unique research/Public Opinion Strategies). Daran dürfte laut Hajek auch die jüngste Debatte um die Parteienfinanzierung kaum etwas ändern. Denn die Wähler hätten in dieser Frage wohl ohnehin ein eher negatives Bild von allen Parteien. Daher ergebe sich für keinen Mitbewerber ein Vor- oder Nachteil.

Die ÖVP müsse sich weniger Gedanken um ihre Performance am Wahltag (29. September) machen, sondern vielmehr um das "Danach", so Filzmaier. Denn sichere Mehrheiten habe die ÖVP nur mit FPÖ oder SPÖ. Und von beiden Parteien habe sich die Volkspartei unter Sebastian Kurz in den letzten zwei Jahren "scheiden" lassen. Eine Alternative wäre vermutlich nur eine "Dreierbeziehung" mit Grünen und NEOS, sagte der Politologe. Doch das wäre "kompliziert", ganz abgesehen von den inhaltlichen Hürden.

Minderheitsregierung?

Auf andere Zweierkoalitionen (mit Grünen oder NEOS) könne die ÖVP angesichts der Umfragewerte nicht wirklich setzen, so Filzmaier. Und eine Minderheitsregierung, wie sie auch von Kurz selbst ins Spiel gebracht wurde, hält der Politikwissenschaftler für eher ausgeschlossen: "Warum sollte eine andere Partei das stützen?" Für Hajek wäre derartiges für die ÖVP nur dann eine eventuelle Option, sollte sich eine erneute Zusammenarbeit mit der FPÖ als sehr schwierig erweisen. Er könne sich aber "nicht vorstellen, woran eine ÖVP-FPÖ-Koalition scheitern sollte", sofern die "Personalie" Herbert Kickl besprochen ist, sagte Hajek.