Zarfl kam hingegen voll ins Kreuzfeuer von ÖVP und FPÖ. Wöginger warf ihr ein "unwürdiges Schauspiel" vor und rief Kanzlerin Bierlein auf, sie solle die Sozialministerin zur Rückkehr zur Sachpolitik auffordern. Tatsächlich kam es am Rand der Ministerratssitzung am vergangenen Donnerstag zu einer kurzen Aussprache Bierleins mit der Sozialministerin, wurde bestätigt. Dabei sei es aber nicht um dieses Thema gegangen, wurde der "Wiener Zeitung" auf Anfrage im Sozialressort erklärt. Zuvor hatte Zarfl selbst eine Schelte der Regierungschefin dementiert.

Verweis auf Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs

Die Sozialministerin versammelte allerdings nach den türkis-blauen Angriffen am vergangenen Freitag eine Handvoll Journalisten, darunter von "Presse" und "Standard". Dabei verwehrte sie sich dagegen, in den Wahlkampf hineingezogen zu werden. Dass sie nur die Kosten der Fusion und nicht auch die Einsparungen in ihrer Antwort auf die Anfrage mitgeteilt hatte, verteidigte sie mit dem Hinweis, dass sie in der Anfrage auch nur zu den Fusionskosten befragt worden sei. Näher wollte sie sich zum Gutachten selbst nicht äußern. Schließlich sind beim Verfassungsgerichtshof mehrere Klagen gegen die Sozialversicherungsreform anhängig, darunter eine der SPÖ-Bundesräte sowie von mehreren Gebietskrankenkassen.

Für die Freiheitlichen ist damit die Angelegenheit jedoch nicht erledigt. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch stellte eine Reihe parlamentarischer Anfragen an die Sozialministerin in Aussicht. "Als FPÖ werden wir es jedenfalls nicht zulassen, dass ein Mitglied der beamteten Übergangsregierung einfach die fünfte Kolonne der SPÖ-Parlamentsklubs spielt", betonte die FPÖ-Parlamentarierin in einer Aussendung.

Zarfl wiederum hat schon klargestellt, dass sie über die Übergangsphase hinaus nicht Ministerin bleiben wolle. Bis dahin gibt es aber für sie ohnehin noch einiges zu tun. So herrscht unter anderem massive Unzufriedenheit über die Nutzbarkeit der Elektronischen Gesundheitsakte, kurz Elga.