Wien. Wenn Werner Kogler Interviews gibt, macht er das dieser Tage häufig in der Bahn - so wie mit Rosemarie Schwaiger vom "Profil" zum Beispiel Anfang August. Passend ging es gleich mal ums Bahnfahren, das Klima, dessen Krise, den CO2-Ausstoß und Steuern darauf, Biolandwirtschaft - also ein Kernthema der Grünen nach dem anderen.

Den grünen Wahlkampfmanager Thimo Fiesel muss das - trotz kritischer Fragen - gefreut haben: Werner Kogler hat breiten Raum erhalten, sich und die inhaltlichen Positionen der Grünen zu präsentieren. Ist ein Spitzenpolitiker der Grünen, der Interviews im Zug gibt, zu viel an Inszenierung oder langweilig? Laut Fiesel ist es einfach praktisch: "Das hat wenig mit Inszenierung zu tun. Werner Kogler verbringt Stunden im Zug, und da macht es Sinn, diese Zeit zu nutzen", sagt er auch.

Trotzdem: Das Thema der Grünen, der Klimaschutz, ist glaubwürdig gesetzt, den Wählern offenbar auch wichtig. Ein Erfolg für den Wahlkampfmanager, dem ein weiterer - und zwar möglichst viele Stimmen bei Wahlen - folgen sollen. Bis dahin haben neben Fiesel Karl Nehammer bei der ÖVP, Christian Deutsch als ebensolcher für die SPÖ, Nikola Donig für die Neos, Herta Emmer für die Liste Jetzt und bei der FPÖ gleich ein Triumvirat als Wahlkampfmanager alle Hände voll zu tun.

Strategische Überlegungen

Worauf kommt es dabei an? Gerda Füricht-Fiegl, Politikwissenschafterin und Lehrgangsleiterin für politische Kommunikation an der Donau-Universität in Krems, sagt: "Das Kernelement ist ausgefeilte und gut überlegte Strategie." Das Management habe die Wahl zwischen einer Fokussierung auf Spitzenkandidaten oder Themen: "In Österreich waren Parteien in den vergangenen Jahren eher mit Themen sehr erfolgreich. Es gibt aber auch Ausreißer". Die beste Strategie aber stelle eine optimale Koppelung zwischen Thema und Person her, das Thema sei optimalerweise nicht von einer anderen Partei besetzt ist, "eines das noch keiner in der Hand hat, ein Kernthema oder eines, das quasi auf der Straße liegt". Denn eines des Mitbewerbers koste mehr Zeit, Ressourcen, also auch Geld.

Die Analysen der Wahlmotive von Sora zur EU-Wahl im Auftrag des ORF bestätigen Füricht-Fiegls Einschätzung: Als Hauptgrund für die Wahlentscheidung nannten die Wähler aller Parteien deren inhaltlichen Standpunkte. Besonders deutlich war es bei den Grünen mit 47 Prozent, wo Werner Kogler als Spitzenkandidat nur für drei Prozent entscheidend war. Martina Zandonella, die bei Sora für die Wahltagsbefragung verantwortlich ist, überrascht das nicht: "Bei den Grünwählern sind immer Umwelt- und Klimaschutz ganz weit vorne bei den Motiven. Das sind Themen, die tief in der Partei und deren Wählern drinnen sind. Da kommt es nicht darauf an, wer sie transportiert." Fiesel nennt dazu noch Transparenz, den Kampf gegen Korruption sowie Klimaschutz in Kombination mit sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen. In allen Punkten sei Kogler glaubwürdig, meint er und wirkt zufrieden.