Nur bei der ÖVP lagen Inhalte und österreichischer Spitzenkandidat mit 18 Prozent als Wahlmotive gleichauf. Neben Othmar Karas punktete die Partei bei weiteren 13 Prozent aber auch mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz, die ihn als Hauptgrund nannten, die Volkspartei zu wählen.

Fokus auf eine Person

Genau dieser war auch schon 2017 der von Füricht-Fiegl genannte "Ausreißer". Denn laut Sora lag bei der SPÖ das Verhältnis zwischen Inhalten und Spitzenkandidaten bei 22 zu 20 Prozent, bei der FPÖ gar bei 34 zu fünf Prozent - bei der ÖVP aber bei 15 zu 42 Prozent. "Das ist neu mit Sebastian Kurz gekommen", sagt die Psychologin und Sora-Forscherin Zandonella - der klare Fokus auf eine Person.

Es scheint auch diesmal zu funktionieren. ÖVP-Wahlkampfleiter Karl Nehammer, zugleich Generalsekretär, hat ein Luxusproblem: In Umfragen liegen die Türkisen dank Kurz seit Wochen unangefochten auf Platz eins und mit rund 35 Prozent über dem Ergebnis der Nationalratswahl vom Oktober 2017 mit 31,5 Prozent.

Genau darin sehen die Strategen der ÖVP aber die Gefahr, dass so mancher Wähler den Eindruck bekommt, der Wahlerfolg am 29. September sei bereits eingefahren und gehen nicht zur Wahl. Deswegen wird die Botschaft betont, gute Stimmung sei das eine, aber es müsse jeder auch seine Stimme für Kurz abgeben.

Trotz des ÖVP-Erfolges 2017 ist im heurigen Nationalratswahlkampf so manches anders. Während man damals auf pompös inszenierte Massenveranstaltungen setzte, wird Kurz nach einer Sommertour gerade auch in diesen Tagen zu Gesprächen mit der Bevölkerung in die Bundesländer ohne großen Bus geschickt, am Samstag etwa nach Niederösterreich. Noch etwas ist anders. Um Kritik, die ÖVP sei zu wirtschaftsfreundlich den Wind aus den Segeln zu nehmen, wurden schon in den vergangenen Monaten betont soziale Akzente gesetzt.

Vielfalt oder Beliebigkeit?

Inhaltlich setzt die SPÖ auf "Menschlichkeit", leistbares Wohnen, Gesundheitsversorgung und Maßnahmen gegen die Klimakrise. "Arbeit", das klassischste aller SPÖ-Themen hätte Christian Deutsch in der Aufzählung beinahe vergessen. Die Spitzenkandidatin verkörpere all das, sagt Deutsch, "ehrlich und glaubwürdig". Im Wahlkampf war Pamela Rendi-Wagner aber auch schon beim Bügeln oder im Dirndl als Dirigentin zu sehen. Deutsch glaubt nicht, dass dies ihre Glaubwürdigkeit unterwandert - sondern dazu gehört.

Die Neos um Nikola Donig setzen trotzdem nicht auf ein Thema, sondern auf einen ganzen Strauß voll - von "A wie Anstand bis Z wie Zukunft", sagt er. In der Aufzählung sind sichere Pensionen genauso dabei wie Klimaschutz, Rechtsstaat, Recht auf Kinderbetreuung. Auf die Frage nach dem Neos-Alleinstellungsmerkmal verweist er auf den Slogan "Macht sonst keiner". Aber zu den genannten Themen machten doch einige Parteien etwas? Donig: "Die Neos sind die transparentesten, die progressivsten, radikalsten."